Syngenta kämpft für verseuchtes Trinkwasser in der Schweiz

Urs P. Gasche /  Der chinesische Agrokonzern mit Sitz in Basel klagt immer noch vor Bundesverwaltungsgericht gegen das Verbot seines Fungizids.

Gegen den Willen von Syngenta dürfen die Behörden jetzt endlich darüber informieren, dass das pilztötende Chlorothalonil von Syngenta und seine Abbauprodukte «wahrscheinlich krebserregend» sind. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Deshalb kann das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen den vorgesehenen Höchstwert von 0,1 Mikrogramm für Abbauprodukte von Chlorothalonil im Trinkwasser jetzt endlich durchsetzen.

Noch im Jahr 2020 verordnete das Bundesverwaltungsgericht in einem Entscheid als «vorsorgliche Massnahme», dass das Bundesamt seine Information «wahrscheinlich krebserregend» löschen muss. Das Gericht wollte verhindern, dass Syngenta wegen der allfällige unzutreffenden Informationen einen geschäftlichen Schaden erleidet. Vorsorge zugunsten von Geschäftsinteressen gewichtete das Gericht höher als die Vorsorge vor gesundheitlichen Schäden.

Nach fast vier Jahren (!) hat das Bundesverwaltungsgericht diese «vorsorgliche Massnahme» jetzt aufgehoben. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen reagierte am 22. Mai sofort: «Damit haben die Trinkwasserversorger die klare Vorgabe, dass Chlorothalonil-Abbauprodukte im Trinkwasser 0,1 Mikrogramm pro Liter nicht überschreiten dürfen. Das BLV hat die Weisung an die Kantone entsprechend aktualisiert.»

Im Jahr 2019 hatten die EU und die Schweiz das pilztötende Chlorothalonil verboten. Wahrscheinlich krebserregende Rückstände dieses Fungizids fanden sich längst im Trinkwasser. Gegen das Verbot in der Schweiz legte Syngenta Beschwerde ein und zog diese bis heute nicht zurück. Der Fall sei vor dem Bundesverwaltungsgericht immer noch hängig, berichteten Tamedia-Zeitungen.

Betroffene sind den Behörden ausgeliefert

Obwohl es um Krankheits- und Todesrisiken geht, sorgen die Behörden nicht für Transparenz. Wie bei Medikamenten halten Hersteller und Behörden die Rohdaten der Zulassungsstudien auch von Pestiziden unter Verschluss. Die Behörden geben sogar ihre eigenen ausführlichen Beurteilungen der Zulassungsunterlagen nicht heraus, weil die Unterlagen angeblich schützenswerte Geschäftsinteressen der Hersteller enthalten.

Deshalb können aussenstehende Experten diese Studien nicht kritisch überprüfen. Es bleibt das blinde Vertrauen in die Zulassungsbehörden. Das hat sich schon öfter als fatal erwiesen. 

Karin Bauer zeigte in einem Dokumentarfilm des Schweizer Fernsehens diesen Missstand im März 2022 auch am Beispiel des Fungizids Chlorothalonil auf. Infosperber berichtete darüber.

Krebsverdacht schon vor bald 50 Jahren

Abbauprodukte (Metaboliten) dieses Fungizids werden seit einigen Jahren sogar im Schweizer Trinkwasser nachgewiesen. «Es ist davon auszugehen, dass diese Verunreinigungen [mit Abbauprodukten von Chlorothalonil] die Grundwasser-Qualität noch während Jahren in grösserem Ausmass beeinträchtigen werden», erklärte das Bundesamt für Umwelt im Jahr 2020 (siehe Infosperber: «Vergiftung des Trinkwassers»). 

Hier die unglaubliche Geschichte dieses Pflanzenschutzmittels: 

Chlorothalonil kam während Jahrzehnten im Getreide- und Gemüseanbau sowie auf Rebbergen und auf Golfplätzen zum Einsatz. Die Herstellerin Syngenta erzielte damit Milliardenumsätze.

1970: Die Schweiz lässt das erste Fungizid mit dem Wirkstoff Chlorothalonil zu.

1978: In einer Studie des US-Krebsinstituts heisst es: «Chlorothalonil war in Rattenversuchen krebserregend. Die Ratten entwickelten Nierentumore.» Das Fungizid sei «ein potenzielles Risiko für den Menschen».

1983: Christian Schlatter, Professor am toxikologischen Institut der ETH, meinte allgemein zur Zulassung von Pestiziden (Pflanzenschutzmittel gegen Insekten oder Pilze) am Fernsehen: «Pflanzenschutzmittel, die Krebs erzeugen könnten, werden gar nicht zugelassen. Sie werden vorher durch intensive Untersuchungen an Modellsystemen und auch mit Tierexperimenten auf ihre Krebswirksamkeit abgeklärt.» Schlatter hatte auch bei Holzschutzmitteln wiederholt Sand in die Augen gestreut (siehe Erich Schöndorf: «Von Menschen und Ratten», Verlag Die Werkstatt, 1998).

2011: Die EU und die Schweiz verschärfen die Zulassungsbedingungen. Es muss kein Beweis mehr vorliegen, dass ein Pestizid bei Versuchstieren tatsächlich Krebs verursacht. Künftig genügt es, dass ein Pestizid als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft wird, um es zu verbieten.

2016: Die EU unterzieht Chlorothalonil einer neuen Bewertung.

2019 April: Die EU verbietet Chlorothalonil. Hauptgrund war die Verseuchung des Grundwassers durch Abbauprodukte mit «einem hohen Risiko für Amphibien und Fische». Und Chlorothalonil sei ein «karzinogener Stoff der Kategorie 1B». 1B bedeutet «wahrscheinlich krebserregend». Die EU-Mitgliedländer dürfen eine Aufbrauchfrist bis maximal 20.5.2020 gewähren.

2019 Dezember: Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW verbietet Chlorothalonil: Ab 1.1.2020 gilt ein Verkaufsverbot. Eine Aufbrauchfrist erlässt das BLW nicht. Begründung: Das Fungizid sei «wahrscheinlich krebserregend» und es könne «nicht ausgeschlossen werden, dass gewisse Abbauprodukte dieses Fungizids langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben».
Reaktion von Syngenta: «Wir sind enttäuscht, dass die Schweizer Behörden beschlossen haben, die Zulassung für Chlorothalonil zu widerrufen.» Syngenta erhebt wegen «Rufschädigung» Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.

2020: Das Bundesverwaltungsgericht gibt einem Begehren von Syngenta in einem Zwischenentscheid statt: Die Behörden dürfen nicht mehr verbreiten, Chlorothalonil sei «wahrscheinlich krebserregend». Erst jetzt im Mai 2024 hebt das Bundesverwaltungsgericht den Maulkorb-Entscheid auf.
Ein endgültiger Entscheid über das Verbot von Chlorothalonil von 2020 steht immer noch aus. Das neu zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV erwartete einen Entscheid darüber in der zweiten Jahreshälfte 2022.

Unterdessen ist es Mai 2024 geworden.

Die Kantonschemiker tappten im Dunkeln

Abbauprodukte von Chlorothalonil belasten nicht nur viele Grundwasservorkommen, sondern an vielen Orten auch das Trinkwasser.

Die Kantonschemiker, welche dafür sorgen sollten, dass das Trinkwasser einwandfrei bleibt, konnten während Jahrzehnten gar nicht untersuchen, ob Abbauprodukte von Chlorothalonil im Trinkwasser vorhanden sind. Denn sie können im Labor nur nach Substanzen suchen, von denen sie wissen, dass es sie gibt.

Der Grund: In den eingereichten Unterlagen für die Zulassung müssen die Hersteller zwar angeben, zu welchen Abbauprodukten oder Metaboliten ein Pestizid führt. Doch diese Informationen behandelten die Behörden in der Schweiz als Geschäftsgeheimnis der Hersteller und informierten die Kantonschemiker jahrelang nicht darüber. 

Erst in den letzten paar Jahren gab das BLW auf Druck der Kantonschemiker einzelne Abbauprodukte einiger Pestizide bekannt. Erst dann konnten Kantonschemiker das Grund- und Trinkwasser nach diesen Abbauprodukten untersuchen. Für eine Veröffentlichung der vollständigen Pestizidberichte mit Angabe sämtlicher Abbauprodukte «fehlt die rechtliche Grundlage», beschied das BLV dem Fernsehen. 

Entweder ist dies eine hanebüchene Auslegung der Gesetzesverordnungen oder das industriefreundliche Parlament muss endlich über seinen Schatten springen und eine vollständige Veröffentlichung aller Zulassungsdaten vorschreiben.

Es passt ins Bild, dass die Behörden in der Schweiz nach eigenen Angaben nicht wissen, wie gross die Belastung der Bevölkerung mit Pestiziden und anderen Chemikalien ist.

Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss.


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«Asylmissbrauch stoppen»: SVP lanciert Initiative – Kritiker fordern: «Ungültig erklären!»

Die SVP hat am Samstag an einem Sonderparteitag die Grenzschutzinitiative lanciert. Kaum gestartet, gibt es bereits Widerstand: Die Initiative soll für ungültig erklärt werden. 

«Das Asylchaos ist offensichtlich», sagte SVP-Nationalrat Thomas Aeschi zu den Anwesenden des Sonderparteitags. Begleitet von einem grossen Polizeiaufgebot und einigen Demonstrierenden traf sich die SVP am Samstag in Basel um die Lancierung der Grenzschutzinitiative zu beschliessen.

Diese sieht vor, dass einreisende Personen systematisch kontrolliert werden. Wer über einen sicheren Drittstaat einreist, wird weder Einreise noch Asyl gewährt. Menschen von ausserhalb Europas könnten nur noch ein Asylgesuch stellen, wenn sie mit dem Flugzeug einreisen.

Würde das Volk die Initiative annehmen, würde dies aber auch das Aus für das Schengen/Dublin-Abkommen bedeuten. SVP-Präsident Marcel Dettling erklärte bereits im Vorfeld des Parteitags, dass man selbst einen Bruch mit der Genfer Flüchtlingskonvention in Kauf nehme.

Eine Einstellung, die offenbar innerhalb der Partei weit verbreitet ist: Die Delegierten der SVP Schweiz sprachen sich am Samstag in Basel einstimmig für die Lancierung der Initiative aus. Sie soll nun am Dienstag im Bundesblatt veröffentlich werden. Gleichentags kann die Unterschriftensammlung beginnen.

Ungültig und «gar nicht umsetzbar»

Bereits im Vorfeld war das Vorhaben der SVP auf Kritik gestossen. Nationalrätin Greta Gysin (Grüne, TI) sprach von einer «Schande», während FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen mit der Initiative den «Anfang für ein Asylchaos» sieht.

Am Samstag meldete sich dann der Verein Operation Libero, der seinerseits ankündigte, eine Petition für eine Ungültigkeitserklärung zu lancieren. Die Grenzschutzinitiative breche nicht nur mit der Rechtsstaatlichkeit, dem Recht auf Asyl und zahlreichen völkerrechtlichen Abkommen, sondern auch mit zwingendem Völkerrecht, heisst es in einer Medienmitteilung dazu.

Auch die Schweizer Flüchtlingshilfe übte scharfe Kritik. Die Volksinitiative verlange nichts weniger als die Aufgabe rechtsstaatlicher Grundsätze und internationaler Verpflichtungen, mit dem Ziel, das Asylrecht vollständig auszuhöhlen und den Schutz für geflüchtete Menschen abzuschaffen. «Sie ist unvereinbar mit dem demokratischen Schweizer Rechtsstaat und seiner humanitären Tradition – und in der Praxis gar nicht umsetzbar.» (phh)

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«Möchte die Tür noch nicht ganz schliessen»: Deshalb verschiebt Rafael Nadal seinen Rücktritt

Nach zwei Jahren Absenz kehrt Rekordsieger Rafael Nadal zu den French Open nach Paris zurück. Und der Spanier erklärt, was darüber entscheidet, ob es ein Adieu oder Au Revoir wird.

Tennis

Rafael Nadal riss die Arme in die Höhe, schlug die Hände vors Gesicht, schloss die Coupe des Mousquetaires in die Arme, als wäre sie ein Schatz und sagte später, was alle hören wollten: «Ich weiss nicht, was die Zukunft bringt, aber ich werde weiter kämpfen.» Und versuchen, auch im nächsten Jahr wieder in Paris anzutreten.

2022, bei seinem 14. Erfolg in Roland Garros war das. Nun, zwei Jahre später und nachdem er sein Lieblingsturnier im letzten Jahr verpasst hatte, bittet der Rekordsieger wohl zu seinem letzten Tanz in Paris.

Zumindest gehen alle davon aus. Auch er, als er Ende des letzten Jahres ankündigte, 2024 werde er sich wohl vom Tennis zurückziehen, als er sagte: «Ich möchte mich bei den Turnieren verabschieden, die für meine Karriere wichtig waren.» Und er wolle es geniessen.

Der Genuss war Nadal in den letzten anderthalb Jahren abhanden gekommen. «Der Schmerz nimmt mir die Freude am Leben», sagte er einmal. Das war, noch bevor er fast das gesamte Jahr 2023 wegen einer Hüftverletzung ausfiel. Sein Comeback im Januar musste der Spanier nach nur einem Turnier noch vor den Australian Open unterbrechen. Ein Muskelfaserriss.

Nur in Madrid gewann er mehr als zwei Spiele in Folge. Zuletzt in Rom war Nadal gegen den Polen Hubert Hurkacz bei einem 3:6, 1:6 ohne Chance.

In der Weltrangliste wird Nadal noch an Position 247 geführt und steht nur dank eines geschützten Rankings im Hauptfeld. Sein Gegner in der Startrunde ist der Deutsche Alexander Zverev, die Nummer 4 der Welt und Mitfavorit auf den Titel bei den French Open.

Nadal saugt die Atmosphäre in Paris auf. Bereits seit Montag trainiert er hier – und das mehrmals täglich, bis zu vier Stunden. Am Samstag mit dem fast 17 Jahre jüngeren Holger Rune auf dem Court Suzanne Lenglen vor über 10’000 Menschen. Jeder will ihn noch einmal sehen, den König von Paris, dem sie schon zu Lebzeiten eine drei Meter hohe und fast fünf Meter breite Statue gewidmet haben.

Freshfocus

Nur: Hört Rafael Nadal wirklich auf? Spielt er tatsächlich ein letztes Mal in Paris? «Es ist sehr gut möglich. Aber ich kann es nicht zu hundert Prozent sagen. Ich möchte die Türe nicht ganz schliessen», sagt der Spanier, der am 3. Juni seinen 38. Geburtstag feiert, am Samstag zwischen zwei Trainings.

Rafael Nadal kokettiert, und seine gute Laune kommt nicht von Ungefähr. Er ist, was er in den letzten Monaten, ja in den letzten Jahren selten war: nicht verletzt, wenn auch nicht gänzlich schmerzfrei.

Im Training beeindruckt Nadal

Trainings sind keine Matches, aber gerade bei Nadal sind sie ein Indikator. Wurden Sätze gespielt, gewann er immer: gegen Holger Rune, auch gegen Daniil Medwedew. Beide – und das war nicht nur aus Respekt und Anstand – sagten danach, Nadal habe sie beeindruckt.

Und Nadal bestätigte am Samstag, er fühle sich schon seit zwei, drei Wochen «sehr gut im Training», auch wenn die Spiele in Rom «ein Desaster» gewesen seien. Er sei gespannt, ob er diese Leistung auch in einem Ernstkampf abrufen könne.

Kaum jemand zweifelt daran, dass Nadal am Montag ein anderes Gesicht zeigen wird als zuletzt. Das tut er immer in Paris, wo er seit 2005 nur drei Mal verloren hat. Davon geht auch sein Gegner aus. «Ich stelle mich darauf ein, dass ich gegen den besten Nadal spielen werde», gewährte Zverev einen Einblick in seine Gedanken.

Zehn Mal haben sich die beiden bisher duelliert, sieben Mal gewann Nadal, drei Mal Zverev. Letztmals standen sie sich vor zwei Jahren gegenüber, in Paris, im Halbfinal. Über drei Stunden waren gespielt, als Zverev beim Stand von 7:6, 6:6 für Nadal umknickte, sich sieben Bänder riss und im Rollstuhl vom Platz gebracht werden musste.

Nadal gewann danach im Final gegen den Norweger Casper Ruud seinen 22. Grand-Slam-Titel, Zverev kehrte erst Ende Jahr zurück. Darüber, dass er bereits in der Startrunde auf den König von Paris trifft, lamentiert Zverev nicht. «Es war mein Wunsch, noch einmal gegen ihn zu spielen. Ich wollte nicht, dass es meine letzte Erinnerung an ihn ist, wie ich im Rollstuhl vom Platz geschoben werde», sagte er. Aber natürlich bedauere er, dass sie bereits in der Startrunde und nicht in der finalen Phase des Turniers aufeinander träfen.

«Mein Gefühl entscheidet»

Zverev hat guten Grund, selbstbewusst aufzutreten. Vor Wochenfrist hat er in Rom gewonnen. Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres in Melbourne hatte er den Halbfinal erreicht.

Doch am Montag ist er in der Rolle des Nebendarstellers. Die grosse Bühne – sie gehört wie schon im Training: Nadal.

Ob seine Karriere weitergeht, ob er noch einmal in Paris spielen werde, das stellte er klar, hänge nicht vom Ausgang des Spiels aus. «Es geht um mein persönliches Empfinden. Und seit anderthalb Monaten fühle ich mich viel besser.»

Erstens geniesse er es, Tennis zu spielen. Zweitens reise er inzwischen mit seiner Familie, mit seiner Frau Xisca und seinem Sohn Rafa junior. «Es gefällt ihnen. Und ich geniesse es, das mit ihnen zu erleben.» Und drittens wolle er noch einmal wissen, wie er spiele, wenn er «mehr oder weniger gesund» sei, sagte Nadal.

Der Körper entscheidet wohl

Wie die Zuschauer, die ihn noch einmal, am liebsten aber noch viel öfter und viel länger sehen wollen, sei er dankbar. «Dankbar, noch mindestens ein letztes Mal hier zu spielen. Vielleicht zum letzten Mal. Vielleicht auch nicht», sagte der Rekordsieger von Paris.

Rafael Nadal weiss nicht, was die Zukunft bringt. Die Frage, ob er auch im nächsten Jahr in der französischen Hauptstadt antritt, wird wohl auch nicht er selber beantworten, sondern sein Körper. Doch sicher ist: Nadal wird weiter kämpfen.

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«Es ist Zeit, dass wir den Kübel holen» – Stimmen zum Einzug in den WM-Final

Die Schweiz schlägt im Halbfinal der Eishockey-WM Kanada und zieht in den Final ein. Das sagen die Spieler und Nati-Trainer Patrick Fischer.

Eishockey

«Nein, so etwas wie einen WM-Final habe ich noch nie erlebt, ich freue mich drauf.»

Christian Marti, Verteidiger

«Es ist ein Wahnsinnsgefühl. Es war eine unglaubliche Leistung der Mannschaft. Wir haben Kanada zu Beginn überfahren. Danach kamen sie besser ins Spiel, es wurde zur Abwehrschlacht. Ich habe noch nie eine Mannschaft gecoacht, die so gekämpft hat. Wir blieben ruhig, auch nach dem Ausgleich und im Penaltyschiessen. Das war unglaublich.»

Patrick Fischer, Nationaltrainer

«Es war eine Achterbahn der Emotionen. Wir hatten ein unglaubliches erstes Drittel. Danach kam der heftige Push von Kanada. Die Power ging uns etwas aus, aber wir haben es geschafft.»

Nino Niederreiter, Stürmer

«Das Spiel hatte alles drin. Wir haben geführt, sie kamen zurück. Wir kassierten eine Strafe in der Verlängerung, sie auch. Ich bin einfach sehr stolz, wie wir das heute gemacht haben. Auch wenn sie das Momentum zurückholten, haben wir nie gezweifelt. Besonders nach der überstandenen Strafe in der Verlängerung haben wir wieder Energie geschöpft.»

Kevin Fiala, Stürmer

«Die Tschechen sind eine Mannschaft, die wir schlagen können. Es ist Zeit, dass wir den Kübel holen.»

Nino Niederreiter, Stürmer

«Wir waren so nahe dran, wie es nur geht. Es ist schwierig zu fassen. Das Turnier ist nicht vorbei, wir wollen nicht mit leeren Händen nach Hause.»

John Tavares, Captain von Kanada

«Wir haben einen guten Vibe in der Garderobe. Wir haben viele Schüsse geblockt, wenn du dich nicht so aufopferst, geht es nicht. Die Spiele sind nicht so schön anzuschauen, aber das gehört dazu. Jeder geht für jeden. Jeder hat seine Rolle. Einer frisst die Scheibe, einer spielt sie raus und einer macht sie im Penaltyschiessen rein.»

Christian Marti, Verteidiger

«Für mich ist egal, gegen wen wir im Final spielen. Ein WM-Final passiert nicht jedes Jahr. Wir können es kaum erwarten.»

Kevin Fiala, Stürmer

«Wir hatten einen unglaublichen Goalie und so viel Kampfgeist. Alle sind in die Schüsse gelegen. Wir haben mehr Willen gezeigt als die Kanadier. Das geniessen wir. Wir hatten diesen Traum vom Titel immer in unserem Herz. Wir müssen morgen wieder alles auf dem Eis lassen, um zu siegen.»

Patrick Fischer, Nationaltrainer.

«Wir haben uns im 1. Drittel in Schwierigkeiten gebracht. Danach kam eine Steigerung, aber die Schweizer waren schwierig zu knacken.»

André Tourigny, Trainer Kanada

«Es ist hart. Unser Start hat mir nicht gefallen, aber toll, wie wir uns zurückgekämpft zu haben. Sie sind sehr schnell und defensiv extrem gut. Sie blockierten viele Schüsse, das macht es schwierig.»

Andrew Mangiapane, Stürmer Kanada.

«Wir haben schwierige Spiele hinter uns und sind nicht zerbrochen. Wir werden auch morgen nicht zerbrechen. Dann sehen wir dann, ob die Hockey-Götter uns als Weltmeister haben wollen oder nicht.»

Patrick Fischer, Nationaltrainer.

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Leonardo Genoni, der Held im grössten Drama unserer Hockeygeschichte

Die Schweiz eliminiert Titelverteidiger Kanada in der Penalty-Entscheidung (3:2) und spielt gegen Tschechien um den WM-Titel. Leonardo Genonis Spiel des Lebens.

Die Schweiz steht im WM-Final

Die Schweiz eliminiert Titelverteidiger Kanada in der Penalty-Entscheidung (3:2) und spielt gegen Tschechien um den WM-Titel. Leonardo Genonis Spiel des Lebens.

Eishockey gilt als letztes wahres Mannschaftsspiel. Und doch entscheiden immer wieder Einzelsportler die grossen Dramen. Die Goalies. Sie sind auf sich allein gestellt. Sie können alles wiedergutmachen, was ihre Vordermänner versäumt haben.

Zug vermag er nicht mehr in den Final zu hexen. Aber die Schweiz in den WM-Final. Leonardo Genoni ist am Anfang und am Ende die Schlüsselfigur in diesem Halbfinal-Drama. Während des ersten Powerplays entwischt Brandon Tanev – und scheitert am letzten Mann der Schweizer. Noch im gleichen Überzahlspiel trifft Kevin Fiala zum 1:0.

Es ist Leonardo Genoni, der mit dieser grandiosen Rettungstat die Weichen Richtung Final stellt. Die Schweizer geraten nicht in Rückstand (sie werden auch nie in Rückstand geraten) und führen 1:0. Leonardo Genoni stoppt 42 Pucks und sorgt dafür, dass es bis zum Ende der zehnminütigen Verlängerung 2:2 steht. Und dann bleibt er in vier von fünf Penalty-Duellen Sieger. Gegen die Kanadier. Gegen den Titelverteidiger.

Er wird im August 37 und stellt einmal mehr seine immense Erfahrung und überragende Spielintelligenz unter Beweis: Die Fähigkeit, das Spiel zu lesen. Zu erahnen, wohin die Reise des Pucks gehen wird.

Auf Augenhöhe mit den Kanadiern

Seit Anbeginn der Zeiten heisst es nicht ganz zu Unrecht, den Schweizern fehle die Kaltblütigkeit im Abschluss. Die Eigenschaft, die so typisch sei für die Kanadier. Von den Kanadiern könne man lernen. Nun haben die Schweizer nach dem 2:1 in der Vorrunde gegen Tschechien schon zum zweiten Mal bei dieser WM eine Penalty-Entscheidung gewonnen. Lernen die Kanadier von den Schweizern Kaltblütigkeit im Abschluss?

Zwischen Leonardo Genonis erster und letzter Rettungstat begegnen die Schweizer den Kanadiern – wie schon bei der 2:3-Niederlage in der Vorrunde – in jeder Beziehung auf Augenhöhe: Physisch, läuferisch, technisch und mental. Sie sind in jeder Beziehung so robust wie die Kanadier.

Dieser Halbfinal geht als bisher grösstes Drama in unsere Hockeygeschichte ein. Mehr Spektakel, mehr Spannung, mehr Drama, mehr Unterhaltung ist nicht möglich.

Entscheidend ist in dieser Partie – neben Leonardo Genonis Paraden – wieder diese Balance zwischen Magie und Maloche. Es ist einerseits die Magie des Künstlers Kevin Fiala (er erzielt das 1:0 und versenkt den ersten Penalty) und des coolen Vollstreckers Sven Andrighetto. Es ist nicht die WM des ZSC-Stürmers. Er hat bisher bei dieser WM erst ein Tor erzielt. Aber er versenkt seinen Penalty, der uns in den Final bringt. Nie aufgeben. Auch dann nicht, wenn es nicht laufen will. Zur Magie gehören auch das Powerplay und eine smarte Defensiv-Organisation: Nur ein Gegentreffer bei fünf gegen fünf in sieben Spielen.

Die Chancen sind gleichmässig verteilt

Zur Maloche gehört das Tor von Nino Niederreiter, der sich im Powerplay im Gedränge vor dem Tor durchsetzt und zum 2:0 ablenkt. Dazu gehört die Schwerarbeit von Gottérons Leitwolf Christoph Bertschy und von NHL-Verteidiger Jonas Siegenthaler. Sie weisen mit Plus 8 die beste Plus/Minus-Bilanz des Teams auf.

Können die Schweizer Weltmeister werden? Sie haben in der Vorrunde die Tschechen nach Penaltys 2:1 besiegt. Wie gegen Kanada hat Kevin Fiala zum 1:0 im Spiel und zum 1:0 in der Penalty-Entscheidung getroffen.

Aber es gibt einen erheblichen Unterschied zu dieser ersten Begegnung. Inzwischen haben die Tschechen mit Martin Necas (Carolina), David Pasternak (Boston) und Pavel Zacha (Boston) drei NHL-Stürmer ins Team eingefügt. Necas hat in 4 Partien 5 Punkte (1 Tor/4 Assists) beigesteuert. Zacha hat einen Treffer erzielt, Pasternak, ermüdet nach der NHL-Saison, hat noch nicht getroffen.

Die drei Verstärkungen bzw. Ergänzungen ändern nichts an der Ausgangslage. Die Chancen stehen 50:50. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

Wer Kanada standhält und am Ende nach Penaltys gewinnt, kann auch in Prag gegen Tschechien bestehen. Heimvorteil für Tschechien? Ja. Aber auch maximaler Erwartungsdruck. Den ersten WM-Titel seit 2010 vor eigenem Publikum in Prag ausgerechnet gegen die Schweiz verspielen? Es wäre die grösste Schmach in der ruhmreichen Geschichte des tschechischen Hockeys. Auch wenn es gegen das beste WM-Team wäre, das die Schweiz je hatte.

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kontertext: Die Aufklärung ertrinkt im Pixelmeer

Michel Mettler /  Mehr Bilder, weniger Durchblick: Warum haben Kants Postulate es so schwer im überhellen, doch unterbelichteten digitalen Zeitalter?

Viel ist derzeit von KI die Rede. Was dabei gern vergessen geht: Manche der Entwicklungen, die in heutigen Bildgeneratoren wie DALL-E gipfeln, haben ihre Ursprünge in den Jahren vor dem Millennium. Als Mitte der Neunziger die DVD aufkam, ein heute fast wieder vergessenes Medium, ging ein Ruck durch viele Haushalte. Das verschleissfreie Abspielen von Filmen wurde möglich, der heimische Bildschirm gewann an Bedeutung, das visuelle Zeitalter griff tiefer ins Privatleben ein.

Als Cinéphiler, dem die Kinogeherei etwas abhanden gekommen war, freute auch ich mich über die Möglichkeit, eine Mediathek auf Dauer anzulegen. Altvertrautes kam ins Haus, dazu vieles, was in den Traumfabriken rund um den Globus laufend neu entstand. DVD-Gestelle machten den Bücherregalen Konkurrenz.

Remastering-Boom

Während die Leuchtkraft der Bildschirme wuchs, rüstete die Filmindustrie um. Videotheken und Onlinehändler machten Kasse, die Preise für Abspielgeräte wurden tief gehalten, mit den Auflagen stieg auch die Fähigkeit, gealtertes Bildmaterial aufzufrischen – bald einmal hatte die Branche realisiert, welches Potential in der Digitalisierung ihrer Archivschätze lag. Ein veritabler Remastering-Boom flutete den Videomarkt mit Werken, die ich vor Jahren im leicht verschmockten gymnasialen Filmclub gesehen hatte: Edelwestern, Melodramen aus der Gründerzeit, Neo Noir, New Hollywood…

Doch mit den Seheindrücken jener 1980er Jahre, milchig und gebrochen vom Staub, der in der Lichtbahn des Saales hing, hatten die neuen Versionen wenig gemein. Höhere Präzision bei der Abtastung und steigende Rechenkapazität beim Transfer halfen den Bildern auf die Sprünge – in den Mafiastreifen aus den 1930er Jahren blitzten die Spitzlichter von frischpolierten Karosserien, das Filmkorn war im Orkus der Umrechnung verschwunden und die Narben am Kinn des Prohibitionsfürsten James Cagney erzählten Parallelgeschichten.

Darüber hinaus verlieh das hintergrundbeleuchtete Bild der lumièreschen Magie eine fast ausserweltliche Prägnanz. Allerdings war die Schaulust nun ein Privatvergnügen; es fehlte der Hallraum der Kinovorführung. Dafür bannten markante Konturen den Blick, und viele Details wirkten wie herangezoomt und festgenagelt.

War damit etwa ein Ideal jenes Bildes verwirklicht, das den Urhebern einst vorgeschwebt hatte – oder, im Gegenteil, ein Hybrid, dessen Überhelle wenig zu tun hatte mit den Sehgewohnheiten der Drehjahre?

Ins Säurebad gelegt

Was auf diese Weise den Bildern widerfuhr, hatte die Musikwelt schon früher erlebt: Historische RCA-, Blue-Note-, und Capitol-Platten waren überarbeitet auf CD erschienen. Selbst aus alten Schellack-Aufnahmen verschwand das Knistern und Rauschen. Auf einmal kamen die Klänge vor einem tiefschwarzen Abgrund der Stille daher – als hätte man sie ins Säurebad gelegt.

Zunächst war das ein dramatischer und begeisternder Effekt. Jungle Style wurde durchhörbar, aus den Ensemblepassagen schälten sich unerhörte Details, die gedämpfte Trompete erglänzte funkensprühend über dem Gegrummel der Tuba. Ich hörte vertraute Aufnahmen wieder neu. Ihr Klangbild beförderte das analytische Hören, doch der Zuwachs an Schärfe ging mit einer frostigen Atmosphäre einher – erst Jahre später würde eine Remastering-Kunst zweiter Ordnung entstehen, die den kristallinen Sound der Digitalisate mit dem verband, was ich die ‹Leiblichkeit der Klänge› nennen würde: Man arbeitete am Ineinandergreifen digitaler und analoger Verfahren und versuchte, wieder näher an die Originale heranzukommen.

Die Waden des Nachbarn

Zur selben Zeit machte ich eine seltsame Erfahrung. Fast zwei Jahrzehnte hatte ich die selbe Brille getragen; nun zeigte eine Routineuntersuchung, wie unscharf ich sah. Meine Augen waren aus jeder Korrektur herausgewachsen; mit Brille sah ich weniger als die meisten ohne.

Als ich mit neuen Dioptrien ausgestattet das Optikergeschäft verliess, empfing mich eine frischgewaschene Szenerie: die Farben satt, Umrisse zum Greifen klar, die Kontraste höher, als je für möglich gehalten. Und erstaunlicherweise war mir unwohl dabei. Offenbar hatte ich mich ans Schummern gewöhnt – an eine Welt, die sich mehr in Stimmungen als in herausgreifbaren Einzelheiten zu erkennen gab.

Nun aber mutete mein Blick mich indiskret an. Er trat Menschen zu nahe und rückte den Dingen auf den Leib. Wollte ich das alles so genau kennenlernen: die Waden des jätenden Nachbarn, den Damenbart der Bäckerin, die Tattoos am Hals des Postboten? Es kam wie auf dem Präsentierteller daher und stürzte mich in die Verlegenheit, wegsehen zu wollen.

Währenddessen arbeitete die bildverarbeitende Industrie an neuen Auflösungsstandards: Computer generated imaging modellierte imaginäre Landschaften für die Fantasy-Filmindustrie; höhere Taktraten, grössere Datendurchsätze und kürzere Reaktionszeiten sollten naturgetreuere Bilder ergeben, mit neuer Bittiefe, höherer Sättigung. High definition war angesagt.

Diese Entwicklung schreitet fort. Heutige Smart Watches haben eine ähnliche Bilddichte wie die berühmte Grossleinwand, die einst am Times Square das Millennium herunterzählte. Werden im Fernsehen Beiträge aus dem Vor-HD-Zeitalter eingespielt, traut man seinen Augen nicht: Bei all dem Lichtschaum fällt es schwer, Schilder zu lesen oder dem Ball zu folgen; Landschaften versinken in matschigem Ungefähr.

Bildgebende Verfahren und die Pixelschwemme

Auch abseits der Traumfabrik waren die 1990er Jahre eine Goldgräberzeit der ‹bildgebenden Verfahren›. Während die moderne Physik das Unbeobachtbare ausmass, schufen nuklearmedizinische Verfahren neue Ansichten des Körperinneren. Die Kapazität der Elektronenmikroskope stieg und definierte den Nano-Bereich. Das Hubble-Teleskop bot Einblicke in die Darmzotten des Alls. Durchleuchtung und Trennschärfe waren angesagt, und das Motto schien klar: Nur was wir sichtbar machen können, können wir auch sicher wissen. So viel Positivismus musste sein.

Inzwischen kann mit Pixeln fast jedes kontrafaktische Bild wirklichkeitsnah hergestellt werden. Damit tritt eine ungeahnte Suggestionsmacht auf den Plan. Sie erinnert daran, dass im Wort Faktum das lateinische facere lauert – Tatsachen sind ‹das Gemachte›, und jedes noch so plastisch anmutende Digitalisat droht zum Terrain vague zu werden, dessen nackte Tatsachen eine Vorspiegelung sind. Das perfekte Bild verhindert seine Durchdringung. Und so könnten die Pixel-Artefakte dieser Zeit zur Instanz einer Gegenaufklärung werden, mächtiger als je zuvor gesehen.

Trügerische Schärfe

Der pornografische Blick stellt scharf, während der nostalgische den Weichzeichner liebt – ist diese Entgegensetzung haltbar? Im weiten Dazwischen jedenfalls wäre der Streifblick anzusiedeln, bekannt schon in der Renaissance als sguardo glissante. Aus der flüchtigen Begegnung gewinnt er seine Eindrücke, en passant rührt er ans Sichtbare. Nicht um Festlegung bemüht, schweift er umher und bewegt sich zwischen dem Teil und dem Ganzen. Er ist der Flaneur unter den Blicken – er will den Dingen keine Gewalt antun und doch nicht vor Glanz und Elend des Lebens kapitulieren.

In seiner Todesstunde soll Goethe nach ‹mehr Licht› verlangt haben. Diesem Wunsch kommt heute die Technik emsiger nach als der menschliche Geist: Statt Licht in einst dunkle Gebiete zu bringen, hat der Mensch die Leuchtkraft seiner Schirme gesteigert, und die ‹Schaffenskraft› der bildnerischen Industrie ist jeder Wahrnehmungskapazität enteilt.

Nun wäre aber die Aufklärung ein hirnverbranntes Projekt, wäre sie nur auf die schattenlose Ausleuchtung des Sichtbaren bezogen. Goethes Desiderat hat mit Lichtstärke und Auflösung nur vermittelt zu tun, mehr aber mit den Perzeptionen und der Assoziationsfähigkeit des denkenden und fühlenden Menschen. Die Aufklärung lebt ebensosehr von der Wärme des Lichts, das sie in einst dunkle Gebiete trägt. Goethe dürfte kaum nach dem Scheinwerfer gerufen haben. Es wird ihm darum gegangen sein, mit mehr Herzensbildung in die Tiefe einer Welt vorzudringen, die erst im Begriff war, vor dem menschlichen Auge aufzugehen.

Die Milde des Blicks

Das aufgefrischte Gewand, in dem mir alte Filme heute entgegenkommen, gibt ihnen neue Kraft. Allerdings gründet diese nur in der Präsenz des Faktischen: Bauten, Kostüme und Requisiten, zum Greifen nah. Knalliges Schwarzweiss lässt Szenerien auferstehen. Die Pixel verkörpern nicht, sie stellen dar (das Chicago der 1920er Jahre beispielsweise). Ihr Hyperrealismus ist geisterhaft – als wäre der Geist der Prohibition noch im Dunst der alten Projektionslampen verfangen.

Einen Weichzeichner möchte ich deshalb nicht bemühen. Vielleicht aber den Sinn für die Körnigkeit des Daseins, für die fortwährende Erosion, die an den Oberflächen nagt, seien sie noch so geschliffen. Vielleicht wäre Milde die Haltung der Wahl? Zwar will ich nicht die Augen verschliessen vor den Ödnissen dieser grell ausgeleuchteten Welt, aber ich möchte sie mitschwingend betrachten. So wie ich auch selber gern betrachtet würde: ein Mängelwesen, beäugt von Mängelwesen. Also traue ich dem, was den Blicken mitgegeben ist, mehr als den optischen Instrumenten, mögen diese noch so raffiniert sein.


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Keine. Unter «kontertext» schreibt eine externe Gruppe von Autorinnen und Autoren. Sie greift Beiträge aus Medien auf, widerspricht aus journalistischen oder sprachlichen Gründen und reflektiert Diskurse der Politik und der Kultur. Zurzeit schreiben regelmässig Silvia Henke, Mathias Knauer, Michel Mettler, Felix Schneider und Beat Sterchi.
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Umstrittener Sponsor der Olympischen Spiele

Red. /  Am 26. Juli 2024 geht es los. Sponsor Coca-Cola ist ganz vorn mit dabei.


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Olympia-Pläne nehmen Fahrt auf: Schweizer Sport will Winterspiele 2038

Der Schweizer Sport sagt einstimmig Ja zum Dialog für Olympische Winterspiele 2038.

Der Schweizer Sport ist sich einig: Er will Olympische Winterspiele im eigenen Land. Im ausserordentlichen Sportparlament stimmen im «Haus des Schweizer Sports» im bernischen Ittigen alle anwesenden 75 Sportverbände für die Weiterführung der bestehenden Olympiapläne für 2038.

Somit tritt die Schweiz dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in den neu geschaffenen «privilegierten Dialog» für die Ausrichtung der Olympischen Spiele und der Paralympischen Spiele. Die neue Form der Zusammenarbeit dauert bis maximal Ende 2027 und gewährt der Schweiz eine Exklusivität zur Ausrichtung der Winterspiele 2038.

Kandidaturprozess kostet 6,9 Millionen Franken

Urs Lehmann, Präsident von Swiss Ski, hat in den letzten Wochen und Monaten geweibelt für die Winterspiele. Er spricht von einem «Leuchtturm» für den Schweizer Sport, der Schweizer Bevölkerung und der Schweizer Wirtschaft. Er kann die anderen Sportverbände auch mit der präsentierten Kostenplanung überzeugen. Für den Kandidaturprozess werden 6,9 Millionen Franken budgetiert. Damit seien die Kosten rund siebenmal tiefer als noch bei der Kandidatur für St. Moritz 2022 und rund viermal weniger als für Sion 2026. Der Betrag soll grösstenteils aus dem Fonds «Langfristige Kapitalanlagen Swiss Olympic» entnommen werden.

Der einstimmige Entscheid in Richtung Olympische Spiele 2038 kommt wenig überraschend. Schon im letzten November haben sich die Schweizer Sportverbände bei der ersten Olympia-Abstimmung für die Winterspiele ausgesprochen. Anders als damals steht jedoch auch die Jahreszahl der möglichen Austragung fest.

Ursprünglich hätten die Winterspiele schon deutlich früher in der Schweiz stattfinden sollen. Vor einem halben Jahr hofften einige Wintersportvertreter noch auf die Olympischen Spielen 2030. Doch die IOC-Kommission für zukünftige Olympia-Ausrichter zog Frankreich und für 2034 Salt Lake City vor. Diese zwei Winterspiele werden im Juli in Paris definitiv vergeben. Der Entscheid gegen die Schweiz in jenen Bewerbungsprozessen seien kein Nein zur Schweiz gewesen, sagt Urs Lehmann. «Es war ein Ja, aber es war mit einem aber.»

Die IOC-Kommission hat bezüglich des Schweizer Projekts noch einige Kritikpunkte, weshalb die Kandidatur überarbeitet werden muss. So sollen unter anderem die Veranstaltungsorte reduziert werden, zudem gibt es auch Fragen bezüglich der Finanzierung und es braucht auch Garantien der öffentlichen Hand sowie politischer und öffentlicher Support.

Dennoch soll an den ursprünglichen Plänen grundsätzlich festgehalten werden. Die Schweiz möchte die Spiele in mehreren Kantonen dezentral verteilt über das ganze Land austragen. Dabei soll auf die bestehende Infrastruktur zurückgegriffen werden. «Ausser der Jahreszahl hat sich im Inhalt des Projekts nichts geändert. Nach wie vor wollen wir Spiele organisieren, die zur Schweiz passen», sagt Swiss-Olympic-Präsident Jürg Stahl.

Auch Mattias Kaestner, beim IOC zuständig für die Bewerbungsprozesse, hebt hervor: «Der grosse Vorteil der Schweiz ist es, dass sie bereits in allen Sportarten über die Infrastrukturen für die Veranstaltungen verfügt.» Der zugeschaltete Olympiadirektor Christophe Dubi versichert, dass es im Prozess für 2038 neben der Schweiz keinen Gegenkandidaten geben wird.

Einige Sommersportverbände zeigten sich kritisch

Politisch hat sich Sportministerin Viola Amherd bereits in einem Brief an die Kantone gewandt. Und Matthias Remund, der Direktor des Bundesamts für Sport, sagt im Sportparlament: «Packen wir es zusammen an. 90 Jahre nach 1948 können wir hoffentlich alle zusammen Olympische Spiele in der Schweiz erleben.» Die letzten Winterspiele in der Schweiz fanden 1948 in St. Moritz statt.

Noch zu Beginn der Wintersportpläne zeigten sich einige Sommersportverbände kritisch. Dies, weil sie auf die Austragung der European Championship schielen. Nun soll diese Mega-Europameisterschaft 2030 in der Schweiz stattfinden.

Ein Lenkungsausschuss prüft derzeit, welche Voraussetzungen für eine Kandidatur nötig sind. Der Sommersport und der Wintersport sollen von einander profitieren, so Stahl, Präsident von Swiss Olympic. «Wir wollen das eine tun und das andere nicht lassen.» Die Hoffnung auf Grossveranstaltungen im eigenen Land ist im Schweizer Sport gross.

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Medienchefs schlagen Alarm und fordern indirekte Presseförderung

Die Medienbranche sucht nach Lösungen, um ihre Inhalte vor «Big Tech» zu schützen.

Die Chefs der fünf grossen Schweizer Medienunternehmen nutzten die Bühne des Swiss Media Forums, um an die Politik zu appellieren. Alle Verlage haben Sparprogramme hinter sich und verdienen mit dem klassischen Kerngeschäft, dem Journalismus, «fast kein Geld mehr», wie Pietro Supino es formulierte, der Verleger der TX Group («Tages-Anzeiger», «Basler Zeitung»). Überlebenswichtig sei darum der befristete Ausbau der indirekten Presseförderung, der zurzeit in Bundesbern verhandelt wird. Konkret geht es um Vergünstigungen bei der Zeitungszustellung.

«Wenn der Ausbau nicht kommt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Modell der gedruckten Zeitungen in den nächsten drei Jahren implodiert», sagte Supino. Auch Michael Wanner, CEO von CH Media, zu der unter anderem dieses Portal gehört, betonte, wie wichtig die indirekte Presseförderung sei; sie helfe auch, Zeit zu gewinnen für die digitale Transformation. Und NZZ-CEO Felix Graf brach eine Lanze für gedruckte Zeitungen: Sie seien für die Vielfalt und Meinungsbildung nach wie vor enorm wichtig.

Kampf gegen «Big Tech»

Die grösste Zukunftsherausforderung sehen die Medienchefs aber darin, gegen «Big Tech» aus den USA zu bestehen. Milliarden an Werbegeldern fliessen ab an Google, Meta & Co., auch weil sich diese bei den Inhalten von Verlagshäusern bedienen. Dafür müsse bezahlt werden, forderten die Podiumsteilnehmer einhellig. Dazu brauche es ein griffiges Leistungsschutz- und Urheberrecht. Gerade auch wegen des rapiden Vormarsches der künstlichen Intelligenz (KI).

Auch über den inländischen Wettbewerb wurde diskutiert. Die Chefs der vier privaten Medienhäuser erhoben unterschiedliche Forderungen an die SRG – immer unter dem Titel «gleich lange Spiesse». Noch keine klaren Aussagen machten sie zur Halbierungsinitiative, mit Ausnahme von Ringier-Chef Marc Walder, der sich für ein Nein aussprach.

Der UBS-Stellenabbau in der Schweiz steht noch bevor

Zuvor traten am Swiss Media Forum im Luzerner KKL unter anderem Ifat Reshef, die Botschafterin Israels in der Schweiz, und UBS-Chef Sergio Ermotti auf. Letzterer mausert sich zu einem Habitué des Anlasses, war er doch bereits ein Gast der letztjährigen Ausgabe. Im Zentrum des Auftritts stand auch heuer die Integration der gescheiterten Credit Suisse in die UBS. Die Arbeit ist mittlerweile weit fortgeschritten, der für die Schweiz schmerzhafte Abbau von 3000 Stellen steht jedoch noch bevor. Das wird erst 2025 und 2026 geschehen, wie Ermotti betonte. Die UBS habe keine Wahl, sie müsse die Stellen abbauen.

Thema war auch der von Karin Keller-Sutters Finanzdepartement ausgearbeitete 22-Punkte-Plan, um das «Too big to fail»-Problem abzufedern. Ermotti gab sich konstruktiv, betonte, dass er 80 bis 90 Prozent der Massnahmen stütze, ebenso wie die Stärkung der Aufsicht, um früher einzugreifen. «Dass die CS ein Problem war, wussten die Märkte seit spätestens 2020.»

Gleichzeitig wehrte sich der UBS-Lenker gegen neue Regulierungen, insbesondere in Bezug auf die Aufstockung der Eigenmittel. Er plädierte dafür, hier die aktuelle Regulierung konsequent anzuwenden. Das sei bei der CS nicht der Fall gewesen. So muss die UBS jetzt das Eigenkapital um 9 Milliarden Dollar aufstocken, um nur schon die Kapitallücken zu stopfen, die der Regulator der Credit Suisse einst zugestanden hatte. Hinzu kommen nochmals 10 Milliarden Dollar infolge der Zusammenlegung von UBS und CS aufgrund der gewachsenen Bilanz und Marktgrösse der Bank.

In einem Raum voller Vertreter der Medienbranche war natürlich auch Ermottis Lohn von gut 14 Millionen Franken für neun Monate ein Thema. Der UBS-Chef zeigte sich hier sehr gelassen. Er sei sich gewohnt, dass seine Vergütung zweimal pro Jahr ein Thema sei. Die Aktionäre stünden hinter ihm, die kolportierte Missgunst spüre er nicht, die Medien seien hier bei der Berichterstattung «selektiv».

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Mindestens vier Tote nach Einsturz von Restaurant auf Mallorca

Die liebste Partymeile der Deutschen wurde binnen Sekunden zum Ort des Schreckens: Beim Einsturz eines Restaurants am Ballermann gab es Tote – gebangt wird um das Leben von vielen Verletzten.

Tragödie am Ballermann: Beim Einsturz eines voll besetzten Restaurants an der Playa de Palma auf Mallorca sind am Donnerstagabend mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. 16 Verletzte seien in Krankenhäuser gebracht worden, teilte die Polizei der bei deutschen Urlaubern sehr beliebten Mittelmeer-Insel mit. Sieben der Verletzten seien in kritischem Zustand, hiess es. Die neun restlichen seien alle schwer verletzt, aber ausser Lebensgefahr.

Bei den Todesopfern handelt es sich nach Angaben der mallorquinischen Behörden um einen Mann und drei Frauen. Ob Deutsche unter den Betroffenen sind, wurde zunächst nicht bekannt. Der Chef der Feuerwehr von Palma, Eder García, sagte, bei den meisten Betroffenen handele es sich wohl um Ausländer «verschiedener Nationalitäten und mittleren Alters». Eine der ums Leben gekommenen Frauen habe im Lokal gearbeitet, schrieben die Zeitung «El País» und andere Medien.

Das Unglück erschütterte zu später Stunde nicht nur die Balearen, sondern ganz Spanien. In Madrid sprach Ministerpräsident Pedro Sánchez auf X, vormals Twitter, den Familien der Todesopfer sein Beileid aus und betonte: «Ich verfolge aufmerksam die Folgen des schrecklichen Einsturzes am Strand von Palma.»

Überlastung des ersten Stockwerks mögliche Einsturz-Ursache

Der Unfall geschah direkt am Strand, nur wenige Strassen von den Kultlokalen Megapark und Bierkönig entfernt. Das Gebäude des Medusa Beach Club stürzte gegen 20.30 Uhr ein. Der erste Stock sei dabei sofort bis zum Keller eingebrochen, wo auch sehr viele Gäste zu Abend gegessen hätten, berichteten «El País» und andere Medien unter Berufung auf Augenzeugen. Eine erste Überprüfung habe ergeben, dass die Überlastung des ersten Stockwerks eine mögliche Ursache für den Einsturz sei, sagte Feuerwehrchef García.

Am frühen Freitagmorgen suchten Einsatzkräfte unter den Trümmern noch fieberhaft nach Opfern. Ein Polizeisprecher hatte aber kurz vor Mitternacht gute Nachrichten übermittelt: «Mit 90-prozentiger Sicherheit» seien unter den Trümmern keine Opfer mehr, sagte er auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur. Man werde aber so lange wie nötig suchen, sagte ein Beamter. Möglicherweise «noch viele Stunden».

Javier, ein Bewohner der Playa de Palma, war in unmittelbarer Nähe, als das Gebäude an der Strasse Cartago schnell wie ein Kartenhaus, aber mit lautem Getöse in sich zusammenfiel. «Es hörte sich wie eine Bombe an», erzählte er einem Reporter der Regionalzeitung «Última Hora». Andere Menschen sagten, das Gebäude sei erst «vor ein paar Jahren» renoviert worden. Der Teil im ersten Stock, der einstürzte, sei als Chill-out-Bereich benutzt worden.

Viele Gäste im Restaurant zum Zeitpunkt des Einsturzes

Zum Zeitpunkt des Einsturzes seien viele Gäste im Restaurant gewesen, das zum Teil auch als Cocktailbar mit Livemusik fungierte, berichteten Medien. Einsatzkräfte der Polizei, der Feuerwehr und der mallorquinischen Notfalldienste seien schnell vor Ort gewesen. Die angrenzenden Lokale und Wohnhäuser wurden aufgrund von Einsturzgefahr evakuiert, das Gebiet abgeriegelt. Psychologen und Ärzte betreuten am Unglücksort noch Stunden nach dem Einsturz Leichtverletzte, Angehörige der Opfer und sichtlich mitgenommene Zeugen der Tragödie.

Bis zu 1000 Menschen hätten sich unmittelbar nach dem Einsturz vor dem Unfallort versammelt, berichteten die Regionalzeitungen «Diario de Mallorca» und «Última Hora». Angehörige von Mitarbeitern bangten um ihre Lieben, Schaulustige debattierten über die möglichen Ursachen. Immer wieder musste die Polizei die Menge bitten, ruhig zu sein, damit die Rettungsteams die Stimmen möglicher Überlebender unter den Trümmern hören könnten.

Die regionale Ministerpräsidentin Marga Prohens, der Bürgermeister von Palma, Jaime Martínez, und der erste stellvertretende Bürgermeister, Javier Bonet, fuhren ebenfalls schnell zum Strand, um sich vor Ort ein Bild von der Tragödie und den Rettungsarbeiten zu machen. Bürgermeister Martínez rief eine dreitägige Trauer aus.

Nach dem Start der Party-Saison sind seit Ende April wieder zahlreiche Touristen am Playa de Palma, die – anders als die Besucher der englischen Partyhochburg Magaluf westlich von Palma – mehrheitlich aus Deutschland kommen. (dpa)

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22-Jähriger stürzt 20 Meter in die Tiefe und stirbt

In Freiburg ist heute Nacht eine Person rund 20 Meter in die Tiefe gestürzt. Rettungskräfte fanden später den leblosen Körper in der Saane.

Beim Ritterweg, zwischen Freiburg und der Abtei Magerau, kam es in der Nacht auf Sonntag zu einem tödlichen Zwischenfall. Wie die Kapo mitteilt, wurde sie um 4.20 Uhr alarmiert, wonach eine Person von einer Klippe gestürzt sei. «Angesichts der Umstände wurden ein Helikopter der Rega, die Rettungskolonne, die Einsatzgruppe der Kantonspolizei Grif sowie die Seepolizei eingesetzt, um die verunglückte Person zu finden», schreibt die Kapo in ihrer Mitteilung. 

Gegen 8 Uhr entdeckte die Seepolizei schliesslich einen leblosen Körper in der Saane. Dabei handelte es sich um den Körper eines 22-jährigen Mannes, der in der Region wohnhaft war. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann aus Versehen stürzte, er fiel etwa 20 Meter in die Tiefe. «Zum Zeitpunkt des Vorfalls war er in Begleitung von Freunden», teil die Polizei weiter mit. Das mobile Team für psychosoziale Notfälle (Emups) stand im Einsatz, um die Jugendlichen nach dem Vorfall zu betreuen. 

Weitere Ermittlungen sind im Gange.

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Moderner Kolonialismus: Pflegekräfte aus der halben Welt

Bernd Hontschik /  Die WHO schlägt längst Alarm. Wegen des Abwerbens fehlt es in Dutzenden Ländern an Gesundheits- und Pflegepersonal.

Juli 2019:
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hofft bei seiner Reise in den Kosovo auf bis zu 1000 Pflegekräfte pro Jahr für Deutschland. 

August 2019:
Die parlamentarische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Sabine Weiss, prüft auf den Philippinen, wie Pflegekräfte mit Sprachkursen und erleichterten Anerkennungen ihrer Testate auf die Pflegetätigkeit in Deutschland vorbereitet werden können. 

September 2019:
In Mexiko lädt Minister Spahn 15 Pflegeausbilder zu einer Seminarreise nach Deutschland ein. Sie sollen nach ihrer Rückkehr in Mexico für die Arbeit in Deutschland werben.

Juli 2020: Eine Zeitung berichtet: «Erste Pflegefachkräfte aus Namibia in Deutschland gelandet.»

September 2021:
Anders Consulting teilt mit: «Im Rahmen unserer Dienstleistungen im Bereich Pflegekräfte vermitteln wir jetzt auch Fachkräfte aus Kenia.»

Mai 2022:
Pflegekräfte in Jordanien hoffen auf einen Job in Bremerhaven.

Februar 2023:
Entwicklungsministerin Svenja Schulze und Arbeitsminister Hubertus Heil wollen Pflegekräfte in Ghana anwerben: «Wir müssen alle Register im In- und Ausland ziehen, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.»

Juni 2023:
Deutsche Charmeoffensive für Pflegekräfte. Arbeitsminister Heil und Aussenministerin Baerbock sind für eine Werbetour nach Brasilien geflogen. Sie besuchen Pflege-Studenten einer katholischen Universität in Brasilien.

Dezember 2023:
Die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit arbeitet mit Ländern in Asien zusammen, derzeit mit den Philippinen, Indonesien, Indien und Vietnam.

Januar 2024:
Sachsens Sozialministerin Köpping wirbt in Brasilien für die Arbeit als Pflegekraft in Sachsen. 

Februar 2024:
Entwicklungsministerin Schulze ist in Nigeria, um die Fachkräfteeinwanderung aus dem Land zu fördern. 

April 2024:
Die Ärztezeitung titelt: «Ruanda und Rheinland-Pfalz kooperieren bei Pflege.» Ministerpräsidentin Malu Dreyer reist durch das Land, Ziel ist die «Fachkräftegewinnung». 

April 2024:
In Albanien lernen junge Menschen Krankenpflege auf Deutsch. In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlassen sie ihre Heimat. 

Den Exodus deutscher Pflegekräfte stoppen

Der langen Liste hinzugefügt werden könnten noch Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Tunesien. Alle diese Länder verlieren ihre jungen Leute, die teilweise schon fertig ausgebildet, aber oft arbeitslos sind (was hier oft als Rechtfertigung dient) und jedenfalls in Deutschland viel mehr verdienen. Hierzulande werden so die Beschäftigungslöcher gestopft. 

Die WHO schlägt längst Alarm und listet inzwischen schon 57 Länder auf, in denen ein grosser Mangel an Gesundheits- und Pflegepersonal besteht. Es verbiete sich, dort auf Werbetour zu gehen. 

Es ist nicht nur ein imperialistisches Gehabe, sondern geradezu absurd, einerseits dem hiesigen und anhaltenden zehntausendfachen Exodus der Pflegekräfte zuzuschauen und andererseits gleichzeitig neue Kräfte aus immer weiter entfernten Ländern hierher zu locken. 

Man müsste stattdessen alles tun, um die ausreichend vorhandenen, aber aus dem Beruf geflüchteten Fachkräfte zurückzuholen, mit ordentlicher Bezahlung, verträglicher Work-Life-Balance, mit Karrierechancen und angemessener ehrlicher Wertschätzung. 

Von Deutschland ab in die Schweiz

upg. Für den Mangel an ÄrztInnen und Pflegepersonal in Deutschland ist auch die Schweiz verantwortlich.

Fast 10’000 deutsche Pflegekräfte in Schweizer Spitälern

Unter den 72’000 Pflegekräften in Schweizer Spitälern (Vollzeitäquivalente) hat über ein Drittel eine ausländische Nationalität. Fast 10’000 haben die deutsche Nationalität.

In Alters- und Pflegeheimen sind rund 100’000 Pflegende beschäftigt (Vollzeitäquivalente) und bei Spitex-Diensten rund 28’000 Pflegende (Vollzeitäquivalente). Über ein Drittel hat eine ausländische Nationalität.

Etwa 8000 deutsche Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz

Fast 20 Prozent aller ÄrztInnen in der Schweiz stammen aus Deutschland. Der gesamte Anteil ausländischer ÄrztInnen in der Schweiz beträgt rund 40 Prozent. In absoluten Zahlen waren es im Jahr 2023 laut Ärztestatistik der FMH 15’590 ÄrztInnen, die aus dem Ausland stammten, etwa 8000 davon aus Deutschland.

Dies ist eine gekürzte Fassung der Kolumne von Bernd Hontschik, die am 12. Mai in der «Frankfurter Rundschau» erschien.


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Drei Freiburger Filmprofis am Filmfestival von Cannes

Den FN-Videojournalist hat am Filmfestival von Cannes drei Freiburger Filmprofis getroffen, die von ihrer Arbeit am Filmfestival erzählen.

Die Schweiz war dieses Jahr Ehrengast am Marché du Film von Cannes und an der Croisette hat sich in den letzten zwei Wochen alles um Film, Stars, Glamour und Geld gedreht. Die FN haben drei in Freiburg tätige Filmprofis zum Interview getroffen: Xavier Pattaroni, Betreiber und Programmierer der Cinémotion-Kinos,  Thierry Jobin, künstlerischer Leiter am internationalen Filmfestival Freiburg (Fiff) und Sebastiano Conforti vom Lausanner Verleiher Outside the Box. Während Pattaroini erklärt, dass er nicht für die Parties nach Cannes fährt, sondern um Filme zu schauen, zeichnet Jobin am Filmfestival von Cannes schon die grossen Linien der nächsten Ausgabe des Fiff. Und Newcomer Sebastiano Conforti sucht nach Filmperlen für das bald eröffnende Kino Korso in Freiburg.

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Schweiz muss weiter auf ersten WM-Titel warten

Die Schweizer standen zum dritten Mal nach 2013 und 2018 in einem WM-Final. Beide Male unterlagen sie Schweden. Das erste Mal waren sie chancenlos und verloren 1:5, vor sechs Jahren fiel die Entscheidung erst im Penaltyschiessen. Und nun reichte es auch gegen Tschechien knapp nicht. So mussten sich die Schweizer zum vierten Mal mit Silber begnügen. 1935, als es noch keine K.o.-Runden gab, schaute ebenfalls der 2. Platz heraus.

Das Duell der beiden Finalisten in der Vorrunde wurde beim Stand von 1:1 erst im Penaltyschiessen entschieden, in dem die Schweizer das bessere Ende behielten. Seither stiessen bei den Tschechen mit David Pastrnak, Pavel Zacha und Martin Necas drei weitere NHL-Spieler dazu. Das änderte aber nichts daran, dass der Final zum Geduldsspiel wurde.

Verlass auf Genoni

Beide Seiten verteidigten sehr diszipliniert. Die solide Defensive war praktisch während des gesamten Turniers eine Stärke der Schweizer, und im Final hielt sich auch das Boxplay schadlos. Zudem konnten sie sich erneut auf Leonardo Genoni verlassen. Der 36-jährige Torhüter des EV Zug gab seinen Vorderleuten mit seiner Körpersprache Sicherheit.

In der 50. Minute war aber auch Genoni geschlagen, Pastrnak traf nach einem Pass von Verteidiger Tomas Kundratek mit einem satten Direktschuss. Es war für den Starstümer der Boston Bruins, der in den letzten beiden Qualifikationen in der NHL sagenhafte 223 Punkte gesammelt hatte, im vierten Spiel an diesem Turnier der erste Punkt. Nun wird er in Tschechien noch mehr verehrt, denn die Schweizer waren zu keiner Reaktion fähig. 19 Sekunden vor dem Ende machte David Kämpf mit einem Schuss ins leere Tor alles klar.

Bertschys Pfostenschuss

Die Tschechen starteten sehr druckvoll, hatten im ersten Drittel klare Vorteile. In der 5. Minute hatten die Schweizer Glück, dass der tschechische Captain Roman Cervenka in bester Position vor dem Tor nicht an den Puck kam. Nach vorne brachten die Schweizer wenig zu Stande, dennoch wären sie in der 17. Minute beinahe in Führung gegangen. Christoph Bertschy scheiterte mit einem Schuss aus halbrechter Position am Pfosten.

Im Mittelabschnitt fanden die Schweizer besser ins Spiel, ohne viel Torgefahr zu kreieren. Die beste Chance vergab in der 37. Minute Nino Niederreiter im Powerplay aus dem Slot heraus, er brachte den Puck aber nicht am tschechischen Keeper Lukas Dostal vorbei. Kurz vor der zweiten Pause überstanden die Schweizer eine Druckphase der Osteuropäer, in der David Kämpf einen Pfostenschuss verzeichnete.

Für die Tschechen war es der 13. Weltmeistertitel, der erste seit 2010. Danach gewannen sie bis am Sonntag noch dreimal Bronze, so auch vor einem Jahr. Dennoch wurde die Arbeit mit Trainer Kari Jalonen nicht fortgesetzt. Der Finne, der erste ausländische Trainer der tschechischen Nationalmannschaft, der zuvor Bern zu zwei Meistertiteln geführt hatte, wurde durch Radim Rulik ersetzt. Das zahlte sich aus. Zudem verzeichneten die Organisatoren mit insgesamt 797’727 Zuschauern einen Rekord. Besser hätte die WM für die Tschechen nicht laufen können. (sda)

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Emotionen pur und Gedanken an den Vater: Leclerc-Triumph in Monaco

Charles Leclerc fährt vor der Haustür seinen ersten Monaco-Sieg ein. Selbst der Fürst ist schwer ergriffen. Weltmeister Verstappen fährt der Spitze hinterher – und hätte gern ein Kopfkissen.

Fürst Albert herzte ergriffen den neuen Monaco-Triumphator und nahm selbst einen Schluck aus der Sektflasche zu Ehren von Charles Leclerc. Der in Monaco geborene Formel-1-Pilot sorgte mit seinem ersten Sieg in der Heimat für grosse Emotionen im Fürstentum. «Yes, yes, yes», stammelte Leclerc mit tränenerstickter Stimme zunächst nur via Boxenfunk, ehe er eine lange Party für sein Team ankündigte. «Das wird eine grosse Nacht.»

Als Fussball-Superstar Kylian Mbappé am Sonntag die Zielflagge schwenkte, überwältigten Leclerc endgültig die Emotionen. Der 26 Jahre alte Ferrari-Pilot überwand nach einer Serie von Pleiten und Pannen seinen Heim-Fluch und gewann zum ersten Mal den Klassiker vor seiner Haustür.

Leclerc fuhr von der Pole Position aus den Sieg bei einem der prestigeträchtigsten Rennen des Motorsports ein. Es sei das Rennen, weshalb er Rennfahrer geworden sei, betonte Leclerc, der noch während der Runden auf dem Weg zum grossen Triumph an seinen 2017 gestorbenen Vater dachte. «Er hat alles geopfert, damit ich hier sein kann», sagte Leclerc noch immer sichtlich berührt, ehe es in die Fürstenloge ging mit einem ungewohnt gelösten Fürst Albert, der mit Sekt spritzte und auch die eigene Hose nicht verschonte.

Zweiter wurde in dem Grand Prix, der nach einem heftigen Unfall in der ersten Runde anschliessend einmal mehr wenig Rennaction bot, der Australier Oscar Piastri im McLaren. Auf Rang drei schaffte es Carlos Sainz im zweiten Ferrari vor Imola-Sieger Lando Norris im zweiten und weiter sehr starken McLaren.

Max Verstappen hatte 2021 und im vergangenen Jahr in Monaco triumphiert, kam dieses Mal aber lediglich auf Platz sechs ins Ziel und klagte mitten im Rennen: «Das ist langweilig. Ich hätte mein Kopfkissen mitbringen sollen.» Im Klassement schmilzt der Vorsprung des dreimaligen Weltmeisters im Red Bull vor der mittlerweile hellwachen Konkurrenz weiter: Leclerc liegt vor dem nächsten Rennen in zwei Wochen in Kanada nur noch 31 Punkte zurück.

Typisch Monaco: Maximal-Crashgefahr beim Überholen

Sie wissen alle, wie eng es in den Strassen des Fürstentums ist – dennoch krachte es nur wenige Sekunden, nachdem die Roten Ampeln ausgegangen waren. Leclerc verteidigte vorn recht souverän seine Pole Position, dahinter leisteten sich Piastri und Sainz schon einen heissen Zweikampf, der dem spanischen Ferrari-Piloten fast schon das Aus beschert hätte.

Vorbei war das Rennen, das Jahr für Jahr an eine Reise in die Vergangenheit der Motorsport-Königsklasse erinnert, dann aber gleich für insgesamt vier Fahrer, darunter auch Vizeweltmeister Sergio Pérez nach oder besser in der ersten Runde. Bei einem Überholversuch bergauf streifte Haas-Fahrer Kevin Magnussen zunächst selbst die Leitplanken, dann berührte er mit seinem Wagen das Heck vom Red Bull von Pérez.

Der Mexikaner schlug mit seinem Auto heftig in die Streckenbegrenzung, vom Red Bull blieb nur noch ein Wrack übrig. Zudem räumte auch noch Nico Hülkenberg im zweiten Haas-Rennwagen ab. «Verdammt, das war unnötig», funkte Hülkenberg an die Box: «Bitter für mich, das nach 500 Metern ist frustrierend und schade», betonte er beim TV-Sender Sky.

Der Grand Prix wurde wegen der Reparaturarbeiten etwa 40 Minuten unterbrochen, beim Restart fehlte auch noch Esteban Ocon. Im verbitterten Alpine-Teamduell war er mit seinem französischen Landsmann Pierre Gasly aneinandergeraten.

Leclercs Kampf gegen den Heim-Fluch

Verletzt wurde bei den Crashs, die mal wieder für typisches Monaco-Formel-1-Feeling sorgten, keiner. Zum Glück. Sportlich ging es nach der Unterbrechung mit der ursprünglichen Startformation weiter. Leclerc blieb wieder vorn. Zum dritten Mal hatte er die Pole für sein Heimrennen geholt. Gewonnen hatte er bis dahin noch nie in den Strassen, in denen der einzige echte Monegasse im Fahrerfeld aufgewachsen ist.

Stattdessen schien auf seinem Heimrennen ein Fluch zu liegen. Siebenmal war er bis Sonntag in verschiedenen Rennserien angetreten, nur zweimal hatte er auch das Ziel erreicht. Ein Sieg – Fehlanzeige. Eine Spazierfahrt wurde es auch diesmal nicht. Piastri machte ordentlich Druck, nachdem dessen McLaren-Teamkollege Norris zuvor in Imola gewonnen hatte. Hinter Leclerc und Piastri bildeten zunächst auch noch Sainz und Norris das Spitzenquartett.

Verstappen rumpelt nur hinterher

Fehler, die Leclerc immer mal wieder in den vergangenen Jahren und Monaten unterliefen, durfte sich der Ferrari-Pilot nicht leisten, zu knapp war der Vorsprung, zu nah waren die Leitplanken. Selbst wenn diesmal vom bisherigen Dominator Verstappen keine Gefahr ausging. Der Niederländer rumpelte mit seinem Red Bull nach Problemen im Qualifying auch im Rennen für seine Verhältnisse lange nur hinterher und nölte am Boxenfunk. Erst mit neuen Reifen drehte der Niederländer noch mal auf und verkürzte den Rückstand auf George Russell im Mercedes. Doch das monegassische Überhol-Dilemma holte seinerseits dann Verstappen ein. Vorbei kam er nicht mehr.

Vorn fuhr Leclerc dem sechsten Sieg seiner Karriere entgegen. Seit Juli 2022 hatte der einst als grosser Hoffnungsträger auf WM-Meriten bei der Scuderia vorgestellte Monegasse nicht mehr gewonnen. Dass es nun bei seinem Heimrennen klappte und er die Trophäe in der Fürstenloge in Empfang nehmen durfte, machte den ersten Heimerfolg umso schöner. Ihm seien zwei Runden vor Schluss schon die Tränen gekommen, sagte Leclerc zu seinem Teamkollegen Sainz. Er habe Angst gehabt, gar nichts mehr sehen zu können.

Die Fahrer des Teams Sauber konnten trotz dem chaotischen Beginn nie in den Kampf um die WM-Punkte eingreifen. Der Finne Valtteri Bottas verpasste als Dreizehnter ein erstes zählbares Ergebnis, wie der Chinese Zhou Guanyu, der Sechzehnter und damit Letzter wurde. (dpa/sda)

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Valiant: Seit 1824 in Murten verwurzelt

Vor 200 Jahren wurde in Murten der Grundstein für die heutige Valiant gelegt: 1824 wurde die Ersparniskasse der Stadt Murten gegründet, welche später durch die lila Bank übernommen wurde. Die Entstehungsgeschichte von Valiant als Zusammenschluss vieler Regionalbanken prägt die Unternehmenskultur bis heute.

Valiant ist im Jahr 1997 durch den Zusammenschluss von drei Regionalbanken im Raum Bern entstanden. Die Wurzeln der Bank führen jedoch bis weit ins frühe 19. Jahrhundert zurück: 1824 wurde die Ersparniskasse der Stadt Murten gegründet, sie gilt als älteste Bank im Kanton Freiburg. 1998 wurde die Ersparniskasse schliesslich von Valiant übernommen.

Wir sind einfach Bank

Valiant ist eine unabhängige Schweizer Finanzdienstleisterin und ausschliesslich in der Schweiz tätig. Die lila Bank steht für Einfachheit am Schweizer Bankenmarkt. In einer komplexen Finanzwelt gestaltet Valiant ihre Bankgeschäfte so einfach wie möglich. Mit einem überschaubaren Angebot und schnellen Lösungen sind die Mitarbeitenden der lila Bank jederzeit für ihre Kundinnen und Kunden da. Rund um die Themen Finanzieren, Anlegen, Vorsorgen, Zahlen und Sparen wird die Kundschaft kompetent und umfassend aus einer Hand beraten.

Ganz im Sinne von «Wir sind einfach Bank» konzentriert sich Valiant auf die Kernaufgaben einer Bank: Mittel entgegennehmen, Sorge dazu tragen und sie in Form von Finanzierungen wieder zur Verfügung stellen. Durch eine flache Hierarchiestruktur sind die Wege kurz und direkt, die Prozesse effizient und klar. Eine rasche Antwort auf Finanzwünsche der Kundschaft versteht sich dadurch von selbst.

Zukunftsorientiert und verantwortungsvoll

Valiant entwickelt ihre Produkte und Dienstleistungen laufend weiter. Aufgrund des hohen Stellenwerts von Nachhaltigkeit werden in Bezug auf Finanzierungen oder in der Anlageberatung auch ESG-Kriterien berücksichtigt. Diese umfassen die drei Säulen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). So bietet Valiant seit Anfang 2024 neu die Lila Umwelthypothek an und ermöglicht damit energieeffiziente Sanierungen und Neubauten. Bei der Anlageberatung und Vermögensverwaltung können Valiant Kundinnen und Kunden ihre Präferenzen bei der Integration von ESG-Kriterien in ihre Anlagelösungen angeben.

 «Valiant» stammt aus dem Lateinischen und bedeutet mutig, kräftig, stark. Mut braucht es, um sich als Bank mit einfachen Produkten im komplexen Finanzmarkt zu behaupten. Der lila Bank gelingt dies seit jeher durch eine verantwortungsvolle Geschäftspraxis. Die Entstehungsgeschichte von Valiant als Zusammenschluss von vielen Regionalbanken ist die Grundlage für viele langjährige Kundenbeziehungen. Das geografisch klar begrenzte Geschäftsgebiet innerhalb der Schweiz, die Positionierung als Finanzdienstleisterin für Privat- und KMU Kunden sowie die gelebte Kundennähe sind zentrale Merkmale des einfachen und verantwortungsvollen Geschäftsmodells von Valiant.

Kundennah und regional verankert

Die ihr anvertrauten Kundengelder und Spareinlagen verwendet die lila Bank, um einerseits Wohneigentum in Form von Hypotheken und andererseits KMUs zu finanzieren. Ausleihungen sind auf viele kleine und mittlere Beträge aufgeteilt. Die finanzierten Liegenschaften und Unternehmungen stammen ausschliesslich aus der Schweiz und sind Valiant aufgrund der regionalen Verankerung und Kundennähe bestens bekannt. Verhältnismässig grosse und risikobehaftete Engagements kommen für Valiant nicht infrage. Als Schweizer Finanzdienstleisterin nimmt Valiant ihre Verantwortung wahr und schliesst die Finanzierung von Projekten, welche gegen die Menschenrechte verstossen, aus.

Zum 200-Jahr-Jubiläums lud Valiant zur Podiumsdiskussion in Murten. Ehemalige Spitzensportler erzählten von ihrem Weg und über das Leben nach ihrer Profikarriere.
Bild: zvg

Ausgezeichnete Anlageberatung

Bereits zum 16. Mal hat sich die BILANZ in diesem Jahr im Private-Banking-Rating verdeckt auf die Suche nach den besten Banken der Schweiz gemacht. Dabei hat das Wirtschaftsmagazin mehr als 100 Banken in einem Mystery-Shopping-Test angeschrieben und ihre Beratungsleistung bewertet. Valiant hat auch 2024 durch ihre hohe Kompetenz in der Anlageberatung überzeugt und wird gleich mit drei Auszeichnungen gewürdigt: als Nummer 1 der Kategorie Banken regional, als «langjährige Qualitätsleaderin» und mit dem Prädikat «Ausgezeichnet» als eine der besten Banken der Schweiz. Valiant hat die Jury durch ihr einfach aufgebautes, gut strukturiertes und übersichtliches Angebot überzeugt.

Erst kürzlich wurde die lila Bank zudem mit dem LSEG Lipper Fund Award Switzerland 2024 ausgezeichnet: Der Strategiefonds Valiant Helvétique Conservative wurde in zwei Kategorien als bester Fonds bewertet.

Die beiden Auszeichnungen unterstreichen die Kompetenz von Valiant als Bank für den Vermögensaufbau.

Valiant in Murten

Valiant Murten ist in den vergangenen 25 Jahren stark gewachsen. An der Schlossgasse 5 beschäftigt die lila Bank heute 13 Mitarbeitende, 11 davon in der Kundenberatung. Ausserdem bildet Valiant in Murten permanent einen Lernenden oder eine Lernende aus und vergibt einen Praktikumsplatz an Mittelschulabsolventen oder -absolventinnen.

Die Geschäftsstelle Murten betreut einen breiten Kundenstamm in der Region. Neben Privatpersonen gehören auch viele KMUs zur Kundschaft. Das Geschäftsvolumen besteht aus Ausleihungen, Kundengelder und Anlagedepots. Valiant Murten gehört mit ihrem Kundenportfolio schweizweit zu den sieben grössten Geschäftsstellen. Aufgrund ihrer Grösse kann die Finanzdienstleiterin in Murten ihre Kundschaft auch bei komplexen Anlagestrategien im Bereich Private Banking vor Ort beraten.

Im Kanton Freiburg ist Valiant mit weiteren Geschäftsstellen in Kerzers, Düdingen, Flamatt, Freiburg, Bulle und Siviriez präsent. Insgesamt beschäftigen diese Geschäftsstellen 45 Mitarbeitende und fünf Auszubildende.

Erst kürzlich wurde die lila Bank zudem mit dem LSEG Lipper Fund Award Switzerland 2024 ausgezeichnet: Der Strategiefonds Valiant Helvetique Conservative wurde in zwei Kategorien als bester Fonds bewertet.

Das Valiant-Team von Murten.
Bild: zvg

Paid Post: Das ist ein bezahlter Beitrag mit kommerziellem Charakter. Text und Bild wurden im Auftrag der Murtner Filiale der Valiant AG erstellt beziehungsweise zur Verfügung gestellt.

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La Yourte: Ein Hauch Indien mit Priscilla Brülhart

Morgen Samstag eröffnet die Freiburger Tänzerin Priscilla Brülhart ein Wohlfühlzentrum beim Bauernhof Vipret in Léchelles. In einer aus Mongolien importierten Jurte, die sich auf dem Gelände des Bauernhofs befindet, wird Brülhart indische Künste wie Kathak (ein klassischer Tanz aus Nordindien) oder Hindustani-Gesang lehren und diese mit einem holistischen Therapieansatz verbinden, der Elemente aus Yoga, Meditation, Bewegungstherapie und anderen Einflüssen vereint. Die Jurte soll zu einem Ort der Begegnung, der Heilung und der Kunst werden. Am Tag der Eröffnung kann der Ort besichtigt werden, zudem gibt es kostenlose Einführungskurse in Kathak- und Bollywoodtanz sowie in eine musikalische Meditation. Für die Kurse ist eine Reservation erforderlich, da die Plätze begrenzt sind. (crc)

La Yourte im Bauernhof Vipret, Rte de Fribourg 10, Léchelles. Sa., 25. Mai, 15 bis 18 Uhr. Weitere Informationen: www.priscilla-bruelhart.com

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Die beste Ausgangslage der Geschichte: Darum glauben wir an den WM-Titel unserer Hockey-Nati

Der Goalie, der Trainer, die NHL-Stars, die Haudegen und ein nimmermüder Oldie: Es gibt etliche gute Gründe, warum wir dem WM-Titel vielleicht nie mehr so nahe kommen werden wie in Prag, wo die Schweiz am Samstag im Halbfinal (18.20 Uhr) auf Kanada trifft.

Klaus Zaugg, Prag

Leonardo Genoni, der Halbfinal-Held von 2018 (3:2 gegen Kanada), wird im August 37. Patrick Fischer hat ihn bei der letzten WM in Riga im Viertelfinal gegen Deutschland auf die Bank gesetzt und Robert Mayer ins Tor gestellt. Der wichtigste Grund für die schmähliche 1:3-Pleite.

Nun ist Leonardo Genoni auf einer Mission: diese Schmach von 2023 tilgen. Diese Mission ist mit dem Viertelfinal-Triumph gegen die Deutschen (3:1) noch nicht erfüllt. Nach sieben Meistertiteln bekommt Leonardo Genoni nun die einmalige und vielleicht letzte Chance, seine Karriere mit dem WM-Titel zu krönen.

Und umgekehrt hat unser WM-Team womöglich für längere Zeit zum letzten Mal einen Goalie zur Verfügung, der bereits einen WM-Halbfinal gewonnen hat. Wenn Patrick Fischer Leonardo Genoni gegen Kanada tatsächlich einsetzt, dann kann der ehemalige ZSC-Junior in einem «letzten Hurra» einer der Architekten des ersten WM-Titels oder der nächsten WM-Medaille werden. So oder so: Den nächsten Leonardo Genoni gibt es noch nicht.

Unser offensives Bermuda-Dreieck: Josi, Hischier, Fiala

Wann werden wir je wieder ein so gutes WM-Team haben? Der fliegende Verteidiger Roman Josi, von dem seine Bewunderer sagen, er schreite übers Eis wie Jesus übers Wasser, ist der beste Spieler. Der schlaue, coole Nico Hischier der beste Center und Kevin Fiala der bissigste und kreativste Schillerfalter unserer Hockey-Geschichte. Dank einmalig günstiger Umstände (für alle drei ist die NHL-Saison frühzeitig zu Ende gegangen) sind sie nun in Prag, und sie bilden in lichten Momenten ein offensives Bermuda-Dreieck, in dem ganze gegnerische Verteidigungen verschwinden.

Wann werden wir wieder eine so gute Mischung aus Magie und Maloche in einem WM-Team haben? Selbst Roman Josi, Nico Hischier und Kevin Fiala sind sich für raues Handwerk nicht zu schade und werfen sich in die Flugbahn des Pucks, um Gegentreffer zu verhindern.

Wann werden wir wieder so viele demütige NHL-Stars in einem WM-Team haben, die sich selbstlos in den Dienst der defensiven Allgemeinheit stellen? Luganos Calvin Thürkauf, Gottérons Christoph Bertschy, Zürichs Sven Andrighetto, Zugs Dario Simion und Fabrice Herzog sind in der heimischen Liga selbstbewusste offensive Leitwölfe und Toremacher. Nun übernehmen sie im WM-Team klaglos, ja mit Leidenschaft auch die Rolle eines Toreverhinderers.

Wann werden wir je wieder drei so raue Haudegen im WM-Team haben? Christian Marti werden wir noch oft bei einer WM sehen. Er ist ein Raubein in unserer Liga und steht immer zur Verfügung. Aber mit Jonas Siegenthaler (New Jersey) und Nino Niederreiter (Winnipeg) haben wir in Prag zwei harte Jungs dabei, die selbst in der NHL keine Angst vor grossen Tieren haben und vorne und hinten dafür sorgen, dass wir nicht herumgeschubst werden.

Werden wir Andres Ambühl noch einmal bei einer WM sehen? Er wird im September 41 und ist längst WM-Rekordspieler aller Zeiten und Länder (19. WM, 139 Spiele/28 Tore/28 Assists). Nicht seine Form (in Prag 5 Assists!), sondern sein Alter provoziert die Frage, ob es seine letzte WM sein könnte. Die Rolle, die der Davoser Kultstürmer im WM-Team spielt, kann gar nicht hoch genug bewertet werden: Jede erfolgreiche Mannschaft braucht ihre Legende: einen Spieler, der mit Klugheit, Erfahrung und Charisma eine ohnehin gute Chemie im Team optimiert.

Trainer Patrick Fischer wie Michelangelo

Werden wir je wieder bei einer WM einen so guten Bandengeneral haben? Patrick Fischer ist so tiefenentspannt wie noch nie. Was das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle zu Rom für Michelangelo, das ist das WM-Team 2024 zu Prag für unseren Nationaltrainer: das ultimative, das absolute Meisterwerk. Sein Vertrag läuft bis und mit der WM 2026 in Zürich und Fribourg.

Keine Frage: Fischer ist in der Lage, auch für die WM 2025 und 2026 und fürs olympische Turnier von 2026 weitere Meisterwerke zu schaffen (wie ja auch Michelangelo mehrere Meisterwerke gelungen sind). Aber für ein Meisterwerk ist Patrick Fischer auf Umstände angewiesen, die er nicht beeinflussen kann. Werden die Hockey-Götter noch einmal so gnädig sein wie 2024 und diese Umstände schaffen wie unter anderem das rechtzeitige Scheitern der NHL-Arbeitgeber unserer Stars in den Stanley Cup-Playoffs? Denn ohne NHL-Stars geht es nicht.

1992 fehlt nach dem Viertelfinal gegen Deutschland (3:1) im Halbfinal (1:4 gegen Schweden) und fürs Bronzespiel (gegen die CSSR 2:5, nach 40 Minuten noch 2:2) die Kraft. 1998 folgen nach der Vorrunde direkt die Halbfinals, die in Hin- und Rückspiel ausgetragen werden. Wir sind gegen die Hartbeton-Schweden chancen- (1:4, 2:7) und um Bronze gegen Tschechien (0:4) kraftlos. Nach einem 3:0 im Halbfinal gegen die USA ist Schweden 2013 trotz einer 1:0-Führung im Final eine Nummer zu gross (1:5). 2018 kommen wir dem WM-Titel nach einem 3:2 im Halbfinal gegen Kanada so nahe wie noch nie und verlieren gegen Schweden erst nach Penaltys (2:3). (kza)

Werden wir je wieder vor einer WM eine so gute Ausgangslage haben? Nichts ist für eine erfolgreiche WM-Expedition so hilfreich wie bissige Kritik, heftige Polemik, Demut und Bescheidenheit vor der Abreise. 2013 war Sean Simpson nach einer miserablen WM 2012 (11. Schlussrang!) nur noch im Amt, weil dem freundlichen Verbandssportdirektor Ueli Schwarz der Mut fehlte, den Kanadier zu feuern.

Und siehe da: Mit Sean Simpson holten wir 2013 völlig unerwartet zum ersten Mal seit 1953 wieder eine Medaille. Im Rückblick erkennen wir: vielleicht ja auch, weil Patrick Fischer sein Assistent war.

Nach dem olympischen Turnier von 2018 (im Achtelfinal schmählich gegen Deutschland ausgeschieden) stand Patrick Fischer im eisigen Gegenwind der Kritik. Ein paar Wochen später führte er die Schweizer in Kopenhagen so nahe an den WM-Titel heran wie noch nie ein Nationaltrainer vor ihm: Wir verloren den Final gegen Schweden erst nach Penaltys.

Nach 13 Niederlagen in Serie ist Patrick Fischer diese Saison sogar noch ärger in die Kritik geraten als vor der WM 2018. Nun, da wir Deutschland gebodigt haben, wird er nie mehr kritisiert werden wie 2018 oder während dieser Saison – komme, was wolle.

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Die Reparatur des Gotthard-Basistunnels kommt in die Endphase

Über ein Jahr dauern die Bauarbeiten, nachdem in der Weströhre im letzten August ein Güterzug entgleist war. Bei der Besichtigung erklärt der Leiter der Anlagen, warum die Arbeiten so lange dauern und was noch getan werden muss, bis die Züge im September wieder regulär fahren.

Ab September soll der Gotthard-Basistunnel wieder im Regelbetrieb befahren werden. Ein genaues Datum ist noch nicht bekannt. «Derzeit läuft alles nach Plan», sagt Tom Gut. Er leitet die Region Süd bei Netzentwicklung und Anlagen und Technologie der SBB. Warum die Bauarbeiten im Tunnel so lange dauern, erklärt Gut gleich vor Ort an der Unfallstelle.

Vom Zugangsstollen bei Faido führt er zur Baustelle in der Weströhre in die Tiefe. Hier war am 10. August ein Güterzug entgleist. Der Zug tauchte, vom Süden her kommend, in den Tunnel. Ein Wagen erlitt einen Radbruch. Beim Spurwechsel fuhr der erste Wagen weiter geradeaus, die Wagen danach wechselten die Spur. Es zerriss den Zug. Der Schaden war massiv, Verletzte gab es keine.

Sieben Kilometer der Fahrbahn mussten nach dem Unfall neu erstellt werden. Alle Betonsockel wurden abgefräst, neu verlegt und die Gleise frisch verschraubt. Das sei der eine Grund für die lange Reparaturzeit, so Gut. Der Beton schluckt seine Worte. Alle Geräusche in der Röhre sind dumpf, auch das beständige Surren der Maschinen im Hintergrund. Dank Lüftung ist es in der mit LED-Lampen ausgeleuchteten Betonhöhle nur zirka 20 Grad warm. Rund um die Uhr arbeiten im Tunnel achtzig Arbeiter, aufgeteilt in drei Schichten.

Im Schritttempo fährt auf der neuen Schiene ein Arbeiter im Handwagen entgegen. Er kontrolliert die Gleisgeometrie. Auf den Zehntel eines Millimeters muss sie stimmen, damit die Schienen die Belastung der tonnenschweren Wagen standhalten können. Als letzter Schritt der Arbeiten ist das Spurwechseltor im Bau. Zehn Monate hatte die Lieferung des neuen Tores gedauert. Dessen Zweck: Züge können von der Ost- in die Weströhre wechseln und umgekehrt. Nur dafür wird es geöffnet. Ist es geschlossen, reguliert es den Luftdruck, sodass die enormen Kräfte nicht aufeinanderprallen, wenn in hoher Geschwindigkeit Züge in entgegengesetzte Richtungen fahren.

Der Zeit- und Planungsdruck ist gross

Heute ist die Oströhre wieder vollständig in Betrieb. Damit dies möglich ist, haben die SBB ein mobiles Spurwechseltor eingebaut. Es hallt ein lautes Rauschen durch den Tunnel. Ein Zug fährt durch die Oströhre, doch auf der Baustelle bleibt es windstill. «Das zeigt, wie wichtig dieses Tor ist», kommentiert Gut. Beim Unfall vergangenen Sommer wurde es komplett zerstört.

Direkt nach dem Unfall hatten sie den gesamten Tunnel für zwei Wochen schliessen müssen, erklärt Gut. Dies, weil sie das mobile Spurwechseltor nicht an der Stelle einbauen konnten, an welcher das kaputte stand. Zuerst musste ein Dichtungsring gebaut werden, um das Tor ein paar Meter versetzt einzurichten. Der Zeit- und Planungsdruck sei allerdings sehr hoch gewesen, eine Röhre mindestens für den Güterverkehr zu öffnen. Denn über die Panoramastrecke könnten die Güterzüge nur sehr begrenzt fahren, da die Strecke bereits ausgelastet sei.

Derzeit werden die Einzelteile des neuen Spurwechseltores im Tunnel zusammengebaut. Zu schwer und zu sperrig wäre es, das ganze Tor in die Röhre zu transportieren. Bis Mitte Juni soll es fertig gestellt sein. Damit ist die Endphase der Bauarbeiten erreicht. Ob die Kosten der Reparaturarbeiten – zwischen 100 und 130 Millionen Franken – eingehalten werden können, sei schwierig abzuschätzen, erklärt Gut. Sind die Arbeiten abgeschlossen, wird der reparierte Tunnel mit Testfahrten geprüft. Sind diese erfolgreich, folgt vor der offiziellen Inbetriebnahme ein Probebetrieb, bei dem auch kommerzielle Züge eingesetzt werden.

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Post-Urgestein sagt den «Cash-Wüsten» den Kampf an: Kommt es zur grossen Bancomaten-Revolution?

Die Zahl der Geldautomaten nimmt rapide ab. Nun präsentiert der Poststellen- und Postomatenchef einen neuen Plan zur Rettung der Noten und Münzen.

Die Kurskarte zeigt an, wo einst die Postkutschen verkehrten. Sie ist rund 175 Jahre alt. Und doch repräsentiert sie für Thomas Baur nicht nur das, was die Post in ihren Gründungsjahren einst war, sondern auch das, was sie noch immer ist: eine staatliche Institution, die Briefe, Pakete, Menschen und auch Geld durch das ganze Land befördere – und so die Schweiz verbinde. «Die Transportmittel haben sich geändert, die Fahrzeiten wurden kürzer, aber die Idee der Grundversorgung ist noch immer dieselbe», sagt Baur. Eine Kopie ebendieser Kurskarte schmückt sein Büro am Post-Hauptsitz – als eine Art Mahnmal für sein neuestes Projekt: die Versorgung der Schweiz mit Bargeld.

Baur ist ein Post-Urgestein. Der heute 60-jährige Poststellen-Chef ist 1983 als Programmierer in den Dienst der damaligen PTT eingetreten und dort die Karriereleiter emporgestiegen bis in die Konzernleitung. Als nach dem Bekanntwerden des unrühmlichen Subventionsbetrugsskandals die gesamte Postauto-Führungsriege kaltgestellt wurde, übernahm Baur für eine gewisse Zeit zusätzlich die Leitung dieser Sparte.

Künftig soll er auch der neue Cash-Chef der Post werden. Denn das Geschäft mit dem Bargeld soll innerhalb des Post-Konzerns von der Postfinance zu Baurs Poststellennetz-Einheit verschoben werden. Zudem besteht die Absicht, dass die Postomaten zu seiner Division wechseln sollen, wie Baur und Postfinance-Interimschef Kurt Fuchs im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende» betonen. Letztes Wort hat der Postfinance-Verwaltungsrat. Klar ist dabei auch: Die Verantwortung für den gesetzlichen Grundversorgungsauftrag im Zahlungsverkehr bleibt weiterhin bei Postfinance.

Peter Schneider / Keystone

Damit wird Baur so etwas wie der oberste Netz-Chef beim gelben Riesen. Er übernimmt nebst den 768 Postfilialen, den 1234 Postagenturen, den 280 «My Post 24»-Automaten künftig die rund 800 Postomaten. Das heisst letztlich auch: Er wird für alles verantwortlich sein, was im Betrieb wegen abnehmender Frequenzen immer unwirtschaftlicher, aber politisch und gesellschaftlich gewünscht ist.

Die Zusammenlegung der Netze ergebe Sinn, sagt Baur. «So können wir die Stärke des Netzes besser nutzen.» Zudem könne die Post damit interne Prozesse vereinfachen – sprich: effizienter und günstiger gestalten. Erste Verbesserungen wurden bereits vorgenommen, sagt Baur. Etwa in der Zusammenarbeit mit dem grössten Geldtransporteur im Land. Bis anhin hatte der Staatskonzern mehrere Verträge mit dem Unternehmen, neu läuft alles über Baurs Abteilung.

Doch um eine schweizweite Bargeld-Grundversorgung sicher zu stellen, reichen ein paar postinterne Optimierungen nicht aus. Zu gewaltig sind die gesellschaftlichen Veränderungen, zu stark ist der Trend hin zu E-Banking-Lösungen, zu elektronischen Zahlungstools wie Apple Pay oder Twint sowie zu Kredit- und Debitkarten. Bargeld verliert als Zahlungsmittel an Bedeutung, das ist seit längerem zu beobachten. Mit der Coronapandemie hat sich die Entwicklung nochmals massiv beschleunigt. Das zeige sich überall, wie Fuchs betont.

Die Einzahlungen am Post-Schalter nehmen rapide ab. Im ersten Quartal 2024 verzeichnete die Post im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Minus von 13 Prozent.

Die Bezüge an Postomaten haben im vergangenen Jahr um rund 10 Prozent abgenommen.

Das abnehmende Interesse am Bargeldbezug zeigt sich in der Bancomaten- und Postomaten-Statistik: Gab es Anfang 2020, also kurz vor dem Ausbruch der Covid-Krise, noch rund 7200 Geldautomaten, sind es heute noch gerade mal 6392, wie aus den neuesten Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hervorgeht.

Und die Zahl dürfte weiter abnehmen – auch wegen des Verschwindens der Credit Suisse, aber nicht nur.

Einst wurden die Menschen weg vom Schalter und hin zum für die Finanzinstitute günstigeren Automaten gelotst. Heute lockt das E-Banking. Werden nun nach den Filialen auch die Geldautomaten abgebaut, könnten Menschen und auch Gewerbebetriebe – insbesondere in ländlichen Gebieten – den Zugang zum Bargeld verlieren, sagt Baur. «Es drohen Cash-Wüsten.»

Er warnt: «Wir sollten nicht warten, bis es so weit kommt.» Denn sei die Infrastruktur abgebaut, werde es schwieriger und teurer diese wieder aufzubauen. Das zeige das Beispiel von Schweden, wo der Staat nun wieder eine minimale Bargeldversorgung herstellen müsse.

Handlungsbedarf ortet auch die Nationalbank. Sie hat deshalb einen runden Tisch mit Wirtschafts- und Konsumentenverbänden, Kantonen, Bundesverwaltung sowie Banken und der Post zum Thema Bargeldversorgung in der Schweiz initiiert. Ein erster Austausch fand im Oktober 2023 statt, wo «Fragen zum Bargeldzugang und zur Bargeldakzeptanz diskutiert» wurden, wie es im SNB-Geschäftsbericht heisst.

Das Interesse war gross, die Voten zugunsten des Bargelds waren zahlreich, wie etliche Teilnehmer zu berichten wissen. «Die Teilnehmenden des runden Tisches sind sich einig, dass einer möglichen Negativspirale im Bargeldsystem entgegengewirkt werden soll», hält auch die Nationalbank fest.

Der runde Tisch soll laut SNB künftig regelmässig durchgeführt werden. Eine neu eingesetzte und ebenfalls breit abgestützte Expertengruppe soll zusätzlich die «Herausforderungen in der Bargeldversorgung identifizieren und Lösungsansätze entwickeln». Konkrete Resultate jedoch liegen nicht vor.

zvg/Postfinance

Baur und Fuchs, die beide über die Diskussionen am runden Tisch informiert sind, fassen das Problem so zusammen: «Die Akzeptanz des Bargelds ist hoch, die Nutzung jedoch nimmt ab. Soll der Zugang gewährt bleiben, müssen wir über die Finanzierung reden.» Und über die Organisation.

Baur jedenfalls hat einen «Plan zur Rettung des Bargelds», wie er sagt: Er möchte letztlich alle Post- und Bancomaten in der Schweiz in einem einzigen Netz zusammenlegen. «So könnten wir ein optimales Geldautomatennetz planen und betreiben und die Schweiz mit Bargeld versorgen.» Die Post wäre seiner Ansicht nach prädestiniert für eine solche Aufgabe. Denn sie sei neutral und ihr Netz gehöre dem Bund. Und so spricht Baur seit ein paar Monaten überall im Lande Bankenchefs an und stellt seine Idee vor. Die Reaktionen fielen «interessiert» aus, sagt er. «Es gibt Diskussionen». Konkrete Entscheide hingegen seien keine gefallen.

Profiteure von einem solchen Geldautomatennetz wären gemäss Baur schliesslich alle Bankkundinnen und Bankkunden in der Schweiz. Sie müssten dann nicht mehr überlegen, wo «ihr» nächster Bancomat oder Postomat steht, sondern könnten einfach zum nächstgelegenen Geldautomaten gehen – und dort den gewünschten Betrag beziehen.

Gesamtschau statt Gebührenjagd

Das wäre ein Bruch mit der heutigen Praxis, bei der sich die Finanzinstitute gegenseitig die Gebühren zuschanzen. «Viele kennen das, wenn sie nach einem solchen Bezug Zusatzkosten von ein paar Franken berechnet erhalten», sagt Fuchs. Es gibt deshalb auch einzelne Automaten an Hochfrequenzlagen in Bahnhöfen, die von ihren Betreibern als «hochprofitabel» bezeichnet werden. «Doch Betrieb und Wartung gehen ins Geld», ergänzt Baur. So gesehen sei das Geldautomatengeschäft insgesamt defizitär.

Die Jagd nach Gebühren von anderen Banken respektive deren Kunden ist gemäss Baur der falsche Ansatz. «Wir müssen das Netz gemeinsam denken.» Natürlich müssten sich dann auch alle Finanzinstitute finanziell daran beteiligen. «Die Zeit dafür ist jetzt reif.»

Der Ärger über die Kartengebühren ist jeweils gross, bei den Konsumentinnen und Konsumenten, aber auch bei der Bäckerei, der Kleiderboutique oder dem Restaurant. Doch trotz aller unliebsamen Gebühren: Kredit- und Debitkarten sind gar nicht so teuer. Das teuerste Zahlungsmittel überhaupt ist das Bargeld. So lautet der auf den ersten Blick überraschende Befund von Tobias Trütsch, Geschäftsführer des Center for Financial Services Innovation an der Universität St. Gallen (HSG).

In einer breit angelegten Studie hat er die gesamtwirtschaftlichen Kosten der verschiedenen Vor-Ort-Zahlungen in der Schweiz untersucht. Diese beliefen sich 2022 auf rund 7,3 Milliarden Franken, was 0,95 Prozent des hiesigen Bruttoinlandprodukts (BIP) entspricht. Mit 5,2 Milliarden Franken verursachen die Bargeldzahlungen den Löwenanteil. Die Kosten für Kreditkarten belaufen sich auf 1,1 Milliarden, diejenigen für Debitkarten auf 1 Milliarden Franken. Bargeld sei immer am teuersten, sagt Trütsch, ganz egal, ob die Gesamtkosten, die Durchschnittskosten oder die Grenzkosten analysiert würden.

Die Unternehmen jedoch, so hat eine Umfrage der Schweizerischen Nationalbank (SNB) gezeigt, schätzen Bargeld als das günstigste Zahlungsmittel ein. Die Diskrepanz zu seinen Befunden erklärt Trütsch damit, dass es bei Kredit- und Debitkarten viele direkte und damit sichtbare Kosten gebe – in Form von Gebühren oder Terminalkosten. Beim Bargeld hingegen fallen indirekte Kosten an, insbesondere in Form von Arbeitszeit, die fürs Einzahlen und Abrechnen des Bargelds verwendet wird. «Diese Arbeitszeit wird von vielen Unternehmen bei ihrer Kostenanalyse nicht einberechnet.» Ebenso wenig wie allfällige Verluste oder das Halten eines Tresors.

Den grössten Kostenanteil beim Bargeld trägt jedoch der Finanzsektor, also die Banken und die Post, die dafür sorgen, dass die Noten und Münzen in Umlauf kommen. Sie betreiben Schalter, Automaten und beauftragen Geldtransporte. Das alles sei mit hohen Fixkosten verbunden, sagt Trütsch.

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USA: Zehntausende Teenager bekommen «Fett weg»-Spritzen

Martina Frei /  Hersteller bewerben die Wirkstoffe mit hunderten Millionen Dollar. Auch für Medien sind diese Medikamente ein gutes Geschäft.

Fast 20 Prozent der Primarschülerinnen und -schüler in den USA waren schon vor der Pandemie stark übergewichtig. Sie wogen fast doppelt so viel oder noch mehr als für ihr Alter im Durchschnitt angemessen wäre.

Während der Pandemie verschärfte sich das Problem mit der Fettleibigkeit. Schwerer wurden vor allem die Kinder, die vorher schon zu dick waren, und Kinder aus armen Familien – wobei diese beiden Umstände oft miteinander verknüpft sind. Das Problem betrifft verschiedene Gesellschaftsgruppen unterschiedlich.

Bei etwa 20 Prozent der Heranwachsenden in den USA – vor allem bei den stark übergewichtigen – ist bereits der Blutzucker-Stoffwechsel gestört. Je nach angelegten Kriterien haben 4 bis 23 Prozent eine Vorstufe des Typ 2-Diabetes.

Ungesunder Zuckerkonsum, staatlich gefördert

Zum Übergewicht trägt unter anderem bei, dass in den USA quasi von Staats wegen der Kauf süsser Getränke gefördert wird. Rund 15 Prozent der Armen erhalten Lebensmittelgutscheine. Diese berechtigen auch zum Bezug von zuckerhaltigen Limonaden, Energy Drinks, Ice-Tea und Säften. 9,3 Prozent der Kosten für diese Essensmarken – rund 720 Millionen US-Dollar – flossen bereits 2011 in Süssgetränke. 

Anstatt nun den Hebel dort anzusetzen, wo das Problem beginnt – bei der Benachteiligung von Bevölkerungsgruppen, grossen sozialen Unterschieden plus einer ungesunden Lebensweise mit zu vielen Kalorien und zu wenig Bewegung – greifen andere Mechanismen. Das lässt sich am Beispiel der «Fett weg»-Spritzen aufzeigen.

Ärztliche Empfehlungen spielen eine grosse Rolle

Im Januar 2023 veröffentlichte die Vereinigung der US-Kinderärzte, die «American Academy of Pediatrics» (AAP), ihre Empfehlungen zur medikamentösen Behandlung von Kindern. Mangels besserer Methoden zum Abnehmen sind ihre Expertinnen und Experten der Ansicht, dass bereits 12-jährigen, stark übergewichtigen Kindern zum Beispiel «Fett weg»-Spritzen oder ähnliche Wirkstoffe angeboten werden können.

Laut der AAP dürften auch Kinder ab 8 Jahren medikamentös gegen ihr Übergewicht behandelt werden.

Zu diesen Behandlungen zählen Spritzen und Tabletten mit sogenannten GLP 1-Imitatoren wie zum Beispiel Semaglutid. Diese Wirkstoffe imitieren die Wirkung des Hormons GLP-1 und wurden ursprünglich gegen Diabetes entwickelt. Etwas höher dosiert, helfen sie aber auch beim Abnehmen. Diese Wirkung wird massiv beworben. 

Semaglutid ist in den USA ab 12 Jahren zugelassen (in der Schweiz ab 18 Jahren).

Massive Werbung

Laut «CNBC» gaben die Hersteller allein in den USA letztes Jahr über eine Milliarde US-Dollar aus, um Medikamente gegen Diabetes und Übergewicht in TV-Spots, Zeitungsinseraten, auf Websites, in Podcasts und auf Social Media zu bewerben. (In der Schweiz ist Werbung für rezeptpflichtige Medikamente nur in der Fachpresse erlaubt.)

Eine aktuelle Auswertung in der Medizinzeitschrift «Jama» zeigt nun einen Verkaufsanstieg um mehrere hundert Prozent von GLP 1-Imitatoren bei jungen Menschen: Im Jahr 2023 wurden monatlich mindestens 60’567 Jugendlichen und Erwachsenen bis 25 Jahre in den USA solche Wirkstoffe verordnet. Drei Jahre zuvor waren es 8722. Die Auswertung umfasste 94 Prozent aller in US-Apotheken eingelösten Rezepte.

Insgesamt erhielten im Jahr 2023 etwa 34’000 Teenager zwischen 12 und 17 Jahren mindestens ein Rezept für einen GLP 1-Imitator. Bei den jungen Erwachsenen lösten rund 162’000 ein solches Rezept ein. 

Grafik eingelöste Rezepte GLP 1-Imitatoren
Starker Anstieg: Viele Jugendliche (links) und junge Erwachsene bis 25 Jahre (rechts) in den USA lösten Rezepte für GLP 1-Imitatoren ein (orange Kurven = Mädchen / Frauen, blaue Kurven = Knaben / Männer).

In der Zulassungsstudie erzielten viele eine merkliche Gewichtsreduktion

In der Zulassungsstudie wurde Semaglutid 68 Wochen lang an 134 Heranwachsenden getestet. Nebst der medikamentösen Behandlung sollten sich die Studienteilnehmenden täglich 60 Minuten moderat bis intensiv bewegen. Anfangs wurden sie alle zwei Wochen, später alle vier Wochen in punkto Diät, gesunder Ernährung und Sport gecoacht.

Rund 10 Prozent der Teilnehmenden verloren auf diese Weise sowohl mit Semaglutid als auch mit Placebo fünf bis neun Prozent ihres Körpergewichts, bei einem durchschnittlichen Ausgangsgewicht von über 100 Kilo. 37 Prozent der mit Semaglutid Behandelten reduzierten ihr Ausgangsgewicht in den 68 Wochen um mindestens 20 Prozent. Mit Placebo-Spritzen und den weiteren Massnahmen gelang dies nur 3 Prozent.

In der siebenwöchigen Nachbeobachtungszeit ohne das Medikament zeigte sich jedoch, dass das Gewicht wieder anstieg.

Unbekannte Risiken der langfristigen Einnahme

Der US-Medizinprofessor Vinay Prasad hinterfragte die Empfehlung der Kinderärzte-Vereinigung auf der Website «Sensible Medicine»: «Was passiert, wenn sie [die damit Behandelten] 22 Jahre alt werden? 32? Nehmen sie es dann jahrzehntelang ein? Wenn sie aufhören und an Gewicht zunehmen, können sie wieder damit anfangen.» Das Sicherheitsprofil dieser Medikamente sei zwar gut bekannt – aber man wisse nicht, was nach zwei Jahrzehnten der Einnahme passiere, wandte Prasad ein. 

Basierend auf der Dauer der klinischen Studien hätten sich die GLP 1-Imitatoren als sicher und wirksam bei der Gewichtsabnahme erwiesen, «aber die Wirksamkeit bleibt nicht erhalten, wenn die Patienten die Einnahme beenden. Wenn man davon ausgeht, dass die Menschen diese Medikamente auf unbestimmte Zeit einnehmen müssen, müssen wir noch deren langfristige Nebenwirkungen verstehen», schreibt die Kinderheilkunde-Professorin Joyce Lee von der Universität Michigan auf Anfrage. Zusammen mit mehreren Kolleginnen und Kollegen hat sie die «Jama»-Studie verfasst.

Man müsse auch über zusätzliche Risiken für jüngere Menschen nachdenken, da sie im fortpflanzungsfähigen Alter seien, so Lee. «Bei Frauen sollten die GLP 1-Imitatoren nicht während der Schwangerschaft oder der Stillzeit eingenommen werden. Ärzte sollten ihre Patientinnen auch darüber aufklären, dass die Medikamente die Wirksamkeit der Antibabypille beeinträchtigen könnten.»

Das Arzneimittelkompendium in der Schweiz rät, Semaglutid mindestens zwei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft sicherheitshalber abzusetzen. In Tierversuchen wirkte es frucht­schädigen­d.

«Jojo»-Effekt nach dem Absetzen

Nach bisherigen Erfahrungen mit Semaglutid steigt das Gewicht wieder, sobald das Medikament abgesetzt wird. Der Effekt sei «nicht nachhaltig», schrieb der «Pharma-Brief». So habe eine Studie an Erwachsenen gezeigt, «dass ein Jahr nach Absetzen bei den Betroffenen nur noch ein Drittel des ursprünglich erzielten Gewichtsverlusts erhalten blieb.» 

Ähnliches ist vom chemisch verwandten, täglich zu spritzenden Wirkstoff Liraglutid bekannt: Rund zwei Jahre nach dem Absetzen war das Gewicht bei Heranwachsenden zwar niedriger als bei denen, die Placebo-Spritzen erhalten hatten – aber es war trotzdem höher als vor der Behandlung, wie eine Studie im «New England Journal of Medicine» zeigte. Das Medikament verhinderte den Gewichtsanstieg nur so lange es angewendet wurde. 

Liraglutid bei Adoleszenten
Die Heranwachsenden verloren im Verlauf der 56-wöchigen Behandlung mit Liraglutid (blaue Kurve) durchschnittlich rund 4,5 Kilo ihres Anfangsgewichts. Kaum war die Behandlung beendet, stieg das Gewicht wieder. Diejenigen, die Placebo-Spritzen erhielten (graue Kurve), nahmen anfangs ganz wenig ab und danach noch stärker zu.

Interessenkonflikte der Ärzte …

Spitzenreiter bei den von Heranwachsenden eingelösten Rezepten war gemäss Lees Studie mit Abstand der Wirkstoff Semaglutid. Der Hersteller Novo Nordisk verkauft ihn in drei Darreichungsformen: Als «Ozempic»-Spritze oder als «Rybelsus»-Tablette zur Behandlung von Typ 2-Diabetes (wobei insbesondere «Ozempic» auch «off-label» gegen Übergewicht eingesetzt wird) sowie als «Fett weg»-Spritze «Wegovy» gegen Übergewicht.

Wenn mehr Personen Medikamente schlucken, spült das auch mehr Geld in die Kassen der Pharmahersteller, der behandelnden Ärzte und der Medien. Ausgestellt hatten die Rezepte bei den Jugendlichen meist Hormonspezialisten oder Nurse practitioners, also speziell ausgebildete Pflegekräfte. Den jungen Erwachsenen in den USA verordneten vor allem Nurse practitioners oder Hausärzte diese Wirkstoffe. Die Kosten (rund 20’000 US-Dollar für eine Jahresbehandlung) übernahmen in mehr als die Hälfte der Fälle die staatliche Medicaid- bzw. Medicare-Versicherung. 

Der Hersteller von «Ozempic», «Wegovy» und «Rybelsus», Novo Nordisk, investierte vorletztes* Jahr elf Millionen Dollar, nur um US-Ärztinnen und -Ärzte zu bewirten und an Fortbildungen zu den Abnehmmedikamenten reisen zu lassen. Fast 12’000 Medizinerinnen und Mediziner wurden laut «Stat News» über ein Dutzend Mal eingeladen. 

… und der Medien

Novo Nordisk wendete letztes Jahr 263 Millionen US-Dollar auf, um in den USA die «Fett weg»-Spritze «Wegovy» zu bewerben, plus 208 Millionen Dollar für «Ozempic»- und «Rybelsus»-Werbung. Das berichtete «CNBC».

Insgesamt hätten die Pharmafirmen im Jahr 2023 fast 790 Millionen Dollar für Diabetes-Medikamenten-Werbung an US-Medien überwiesen. Weitere 264 Millionen Dollar steckten sie in Werbung für Medikamente zur Gewichtsreduktion. Das kann zu Interessenkonflikten bei der Berichterstattung führen. 

Bei stark übergewichtigen Erwachsenen können die GLP 1-Imitatoren das Risiko für langfristige Folgeschäden des Übergewichts senken. Dazu zählen Herzinfarkte und Schlaganfälle. Um eine solche Erkrankung zu verhindern, fallen in Deutschland 863’600 € an Behandlungskosten für Semaglutid an, hat das «arznei-telegramm» ausgerechnet. Ob dieses Behandlungsziel auch bei jungen, übergewichtigen Menschen erreicht wird und zu welchem Preis, ist offen.

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*in einer früheren Fassung stand hier fälschlicherweise «letztes Jahr». Die Autorin entschuldigt sich für den Fehler.


Themenbezogene Interessenbindung der Autorin/des Autors

Keine
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Meinungen in Beiträgen auf Infosperber entsprechen jeweils den persönlichen Einschätzungen der Autorin oder des Autors.

Weiterführende Informationen

(Quelle: Infosperber) Link zum Originalpost

Amazon, Microsoft, Google und Alibaba wollen uns ernähren

Red. /  «Unser tägliches Brot gib uns heute» wird zum Gebet an Nestlé, Bayer und neu an IT-Konzerne. Pat Roy Mooney hatte davor gewarnt.

upg. Die Machtkonzentration der Konzerne macht vor unserem Essen nicht halt. Seit einem halben Jahrhundert kämpft Pat Roy Mooney, 76, für Sicherheit und Gerechtigkeit bei den Lebensmitteln. Bereits 1985 erhielt Mooney den Right Livelihood Award oder den amerikanischen Giraffe Award, einen Preis für Personen «who stick their necks out», also für Menschen, die sich besonders mutig exponieren. 

Folgendes Interview stammt aus dem kürzlich erschienen Buch «verwoben und verflochten»*, das Florianne Koechlin herausgab. Zwischentitel von der Redaktion.

78,2 Millionen Hektaren Ackerland in 23 Ländern extrahiert und an die Cloudserver von Microsoft und Amazon weitergeleitet

KoechlinSeit deinem Vortrag im Jahr 1988 in Basel wurde aus Ciba-Geigy über Umwege Syngenta, die wiederum 2015 von ChemChina geschluckt wurde. Und Syngenta/ChemChina wurde 2021 in Sinochem eingegliedert und ist heute der weltweit grösste Agrokonzern, im Besitz der chinesischen Regierung. Bayer übernahm Monsanto. Und allein seit dem Jahr 2000 kam es zu rund 200 Megafusionen und Übernahmen auf dem Saatgut- und Agrarsektor. Ein solches Tempo hättest wohl nicht einmal du prognostiziert. 

Mooney: Es geht noch viel weiter. Heute sind es nicht mehr nur die Agrokonzerne, die eine Rolle spielen, wie das bislang der Fall war. Wir beobachten immer mehr neue biodigitale Giganten, die man im Lebensmittelbereich nicht erwartet hätte, so etwa Amazon, Microsoft, Google oder auch das chinesische Alibaba. 

Amazon im Lebensmittelbereich? 

Pat Roy Mooney Right Livelihood
Pat Roy Mooney

Amazon hat Whole Foods Market gekauft, den grössten US-amerikanischen Einzelhändler für Biolebensmittel. Die Firma bewegt sich inzwischen auch entlang der ganzen Lebensmittelkette. Mit den neuen Technologien soll diese vollständig kontrolliert werden, und zwar vom Feld in Kenia über die ganzen Lieferketten bis zum Supermarkt in New York. Mit seinen Blockchain-Technologien und -Systemen verschafft sich der Konzern weltweit Zugang zu den Märkten. 

Bayer/Monsanto wiederum unterhält die digitale Plattform FieldView, die 87,5 Milliarden Datenpunkte von 78,2 Millionen Hektaren Ackerland in 23 Ländern extrahiert und sie an die Cloudserver von Microsoft und Amazon weiterleitet. 

IBM macht das Gleiche: Mit ihrem Programm IBM Food Trust will sie die Lebensmittelketten mit eigenen Blockchains verbinden und mit Hilfe ihrer Sensoren und Satellitensysteme überwachen und kontrollieren. 

Auch Google hat sich im Lebensmittelbereich engagiert und unterstützt Landwirte in Ländern wie Südkorea und auch in China. In Zusammenarbeit mit Alibaba berät Google die Landwirte in allen Bereichen, von Wetter- über Marktinformationen bis hin zur Erteilung wissenschaftlicher Ratschläge zu verschiedenen Kulturen oder Saatgut. 

Solche Daten ermöglichen auch eine lückenlose Überwachung und Kontrolle. 

Für die globale Lebensmittelsicherheit spielt das Saatgut eine zentrale Rolle. Weltweit soll es 6000 bis 7000 Pflanzensorten geben, die wir essen können. Viele dieser Samen lagern in Saatgutbanken. 

Auch hier das gleiche Bild: Die grössten Unternehmen gingen zu allen grossen Saatgut- und Genbanken und machten Duplikate von so ziemlich allem Saatgut und digitalisierten die Informationen. 

Digitalisierung heisst in diesem Zusammenhang, dass das Erbgut von Pflanzen mit neuen Techniken entschlüsselt und dann digital gespeichert wird.1

Wer das Saatgut und die Lieferketten kontrolliert, kontrolliert unser Essen

Genau. Ich weiss, dass die niederländische Genbank mindestens sechsmal von Unternehmen kopiert wurde, und zwar vollständig digital. Die Privatisierung solch elementar wichtigen Wissens halte ich für brandgefährlich. Denn wer das Saatgut und die Lieferketten kontrolliert, kontrolliert unser aller Essen. Mit Patenten wird die Privatisierung beschleunigt. Plötzlich wird es möglich, auf Pflanzen, Tieren und Gensequenzen Monopolrechte geltend zu machen. 

Fortschritte der Digitalisierung befeuern ja auch die sogenannte Präzisionslandwirtschaft 

Das ist ein riesiges Feld. Die Technologien reichen von künstlicher Intelligenz, dem Einsatz von Robotern, Drohnen, Überwachungsequipment, das die Felder und Kulturen beobachtet, bis hin zu Sensoren, die in den Traktoren eingebaut werden, um die Produktion auf dem Feld besser zu kontrollieren. 

Auch Satelliten werden ausgesendet, um zu registrieren, welche Pflanzensorten angebaut werden, welche Pestizide und welche Dünger zum Einsatz kommen, vielleicht auch auf den biologischen Anbauflächen. 

Überwacht wird die komplette Lebensmittelkette. Das ist per Blockchain gesteuert. Darüber wird der Zugang zu Zahlungen und Verträgen kontrolliert, um sicherzustellen, dass die Felder all jener Landwirte, die eine Versicherung haben, auch per Satellit überwacht werden, und dass diese Versicherung dann tatsächlich in dem Moment einschreitet, wenn bestimmte Grenzwerte der Dürre erreicht werden.2 

Ich habe mit vielen Forscherinnen und Experten gesprochen, die zu Mischkulturen forschen und arbeiten – alle meinten sie, digitale Techniken könnten für die Diversität auf dem Feld und für die Agrarökologie eine Chance sein. Solargesteuerte Roboter könnten dereinst autonom Mini-Mischkulturen anlegen. 

Drohnen können heute schon zielgenau Schlupfwespen über einem Maisfeld ausbringen, um den Maiszünsler zu bekämpfen. Schlupfwespen statt Insektizide – das tönt doch gut 

In einer Welt der Gleichheit, der Gerechtigkeit und des guten Regierens gibt es sicher einige sehr nützliche Technologien in der Präzisionslandwirtschaft. Aber in der Welt, in der wir leben, wird das nicht passieren. Wir wissen letztlich nicht, wer am Ende kontrollieren wird, was in diesen Datenbanken gespeichert ist. Geht diese Kontrolle von den USA aus, von Europa oder von China? Von Amazon, Alibaba oder welchem anderen Konzern? 

Ich habe vor einiger Zeit mit einem Biobauern gesprochen, der einen Traktor des US– Maschinenherstellers John Deere gekauft hatte. Er habe im Kaufvertrag unterschreiben müssen, dass alle Daten, die der Traktor auf seinen Feldern in Deutschland erfasse, im John-Deere-Rechenzentrum in Illinois verwertet werden dürften. Das war Bedingung für den Kauf. 

Das wusste ich nicht, es wundert mich aber auch nicht. Wir haben viel über John Deere recherchiert. Seine Maschinen sind das ganze Jahr über im Einsatz, von der Aussaat bis zur Ernte und in allen Phasen dazwischen. Mit seinen Sensoren erfassen sie eine Unmenge an Daten. 

Der Konzern hat die Daten für Klimabewegungen und Wetterbedingungen, die mindestens bis 2000 und 2002 zurückreichen. Er kann jetzt mit Cargill und anderen um das Wissen über die Marktsysteme konkurrieren. Ich kann mir immer noch vorstellen, dass der grosse Profiteur von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung in der Landwirtschaft ein Unternehmen wie John Deere sein könnte und nicht in erster Linie Bayer/ Monsanto oder Syngenta/ChemChina/Sinochem.

Was können wir angesichts dieser Übermacht tun? 

Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die weltweite Lebensmittelsicherheit mit dem Aufbau von Resilienz durch Vielfalt und Agrarökologie garantieren können. Wir leben in einem Jahrhundert der Krisen – Klimakrise, Krise der Biodiversität, rapide Erosion fruchtbarer Böden, Hungerkrisen, Kriege. 

Oft haben wir es mit schwarzen Schwänen zu tun, also unvorhersehbaren Ereignissen. In Wirklichkeit ist es aber so, dass es nur wenige schwarze Schwäne gibt, das heisst wirklich unvorhersehbare Bedrohungen. Es sind eher graue Schwäne, also Ereignisse, von denen wir wissen, dass sie passieren werden. Wir sind uns sicher, dass es eine neue Wirtschaftskrise und eine grössere Klimakatastrophe geben wird, nur wissen wir nicht genau, wann das sein wird. Wir wissen auch nicht genau, welche Dimension sie annehmen werden. 

Gibt es überhaupt Hoffnung? 

Ich denke schon, ich bin da nicht so pessimistisch. Das Ziel ist klar: Wir brauchen Ernährungssysteme, die ohne grosse externe Einflüsse auskommen und von der übrigen Welt relativ unabhängig sind. Und ein Lebensmittel-Produktionssystem, das lokal verortet ist. Wir brauchen Saatgutzüchtungen, die an die örtlichen Bedürfnisse angepasst sind. 

Um das zu erreichen, sind auch neue Rahmenbedingungen nötig, auf lokaler, nationaler und auf internationaler Ebene. Abkommen, welche die lokale Versorgung unterstützen, und auch Abkommen zur Überwachung, Regulierung oder zum Rückruf von Technologien, die gefährlich sind oder versagen – nicht zuletzt der Big-Data-Systeme, die den Strategien der Agrarindustrie zugrunde liegen. 

Kein leichtes Unterfangen

Sicher – es ist darum wichtig, dass wir jetzt Gesetze vorantreiben, die uns befähigen, im Notfall Handelsgesetze zu suspendieren, um die Lebensmittelsicherheit zu garantieren. Der Kampf um den Zugang zu Covid-19-Impfstoffen und gegen die durch Patente geschaffenen Hindernisse hat gezeigt, wie nötig solche Ausnahmeregelungen auch in Zukunft sein werden. 

Und angesichts der nicht enden wollenden Krisen der nächsten Jahrzehnte kommt auch den Menschenrechten eine zentrale Rolle zu. Es braucht neue Formen der sozialen Sicherheit, Formen, die umfassend und von der Überwachung durch Big Data abgekoppelt sind. Wir müssen uns aber immer wieder daran erinnern, wer die Mehrheit dieser Welt ernährt: Es sind die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen. 

Bill & Melinda Gates Foundation führte Institutionen zuweilen an der Nase herum

Du engagierst dich auf globaler Ebene, bei Verhandlungen der UNO, bei der FAO und anderen internationalen Organisationen im Bereich Lebensmittelsicherheit. Bewegt sich dort etwas? 

Ja und nein. Ich habe wirklich kein Vertrauen in diese Organisationen. Aber sie sind die einzigen Orte, wo wir als Zivilgesellschaft – das sind verschiedene Nichtregierungsorganisationen und Allianzen, die sich für Ernährungssicherheit und -gerechtigkeit einsetzen3 – hingehen und auf unsere Bedürfnisse aufmerksam machen können, wo wir sehen können, wer hier gewinnen und wer verlieren wird. 

Und hier können wir auch Einfluss nehmen. Das Problem ist, dass die UNO, die FAO und andere internationale Organisationen, die für die Ernährungssicherheit zuständig wären, sehr schwach sind. Wir wissen, dass grosse Unternehmen, die Bill & Melinda Gates Foundation und andere Verbündete diese Institutionen mitfinanzieren – und wir haben erlebt, dass sie diese dann an der Nase herumführen und vor sich hertreiben. Auch viele Regierungen haben Angst vor den biodigitalen Giganten und deren Gefolgschaft. 

Was gibt dir denn Hoffnung? 

Der Zeitpunkt war noch nie so günstig wie jetzt, um auf diese Systeme – und auch die Forschung – Einfluss zu nehmen. Erinnern wir uns: Die Covid-19-Pandemie zeigte die Schwachstellen und die beängstigende Verletzlichkeit globaler Märkte auf. Denken wir an die Lieferkettenblockaden und -engpässe, plötzlich fehlende Ersatzteile, explodierende Kosten für Energie und Lebensmittel oder an die Hungerkrisen. 

Überdeutlich wurde dabei auch, dass selbst die Unternehmen keine ausreichende Kontrolle über die Technik haben, die sie verwenden, und auch zu wenig über die Clouds, in denen die Daten gespeichert werden. Microsoft, IBM und alle anderen, die die wichtigen Daten haben, waren und sind auch Opfer von Cyberattacken. Allein im Jahr 2021 kam es in den USA zu 63’000 solchen Attacken. 

Ein vollkommen intransparentes und krisenanfälliges System 

Genau, das merken langsam auch die biodigitalen Giganten und die Regierungen. Sie sind nicht erfolgreich. Die Bill & Melinda Gates Foundation auch nicht. Sie wissen nicht, wie sie sich in eine sicherere Position bringen, wie sie ihre Interessen wahren und ihre Risiken absichern können. Das wird sie in den nächsten zehn, zwanzig Jahren antreiben. 

Darum sind jetzt mit einem Mal Multistakeholder-Ansätze en vogue. Verschiedene Interessengruppen – Unternehmen, Regierungen, Zivilgesellschaft, Wissenschaftsgremien – finden sich an einem Tisch zusammen und suchen nach Kompromissen.5 Ich glaube, dass heute unser Anliegen, lokale und vielfältige Systeme zu unterstützen, immer mehr Anerkennung findet, auch in internationalen Organisationen. Denn sich auf global vernetzte Lieferketten, Big Data und Just-in-time-Fertigungen zu verlassen, um damit die Welt zu ernähren, das ist keine gute Idee. 

Buch-Cover
Buch-Cover

*«verwoben und verflochten – Was Mikroben, Tiere und Pflanzen eint und wie sie uns ernähren», Hrsg. Florianne Koechlin, Lenos-Verlag 2024, 32.00 CHF/Euro. Hier bestellen.

Aus dem Verlagstext: «Im Boden pulsiert eine phantastische Vielfalt kleinster Organismen. Sie ermöglichen das Überleben der Pflanzen. Auch wir Menschen hängen von ihnen ab. Mikroben waren schon ein paar Milliarden Jahre auf der Erde, bevor sich anderes Leben entwickelte. Sie »erfanden« fast alles, was das Leben ausmacht. Mit uns sind sie auf das komplexeste verwoben, und dabei sind Kooperation und Konkurrenz oft nicht unterscheidbar, ein Netz von Beziehungen, das sich ständig verändert.

Ameisen beispielsweise sind mitnichten kleine Automaten. Es gibt mutige, faule und ängstliche, und das Funktionieren eines Ameisenhaufens hängt von der Kommunikation untereinander ab. Und Kühe haben eine ausgeprägte Körpersprache, die zu verstehen viel Stress und Arbeit ersparen kann, den Tieren und den Bauern und Bäuerinnen. 

Was bedeuten solche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse für unsere Ernährung und für die Landwirtschaft? Florianne Koechlin befragte für ihr neues Buch zahlreiche Expertinnen und Experten und erhielt stets die gleiche Antwort: Vielfalt, Bodengesundheit und lokale Kreisläufe sind das Rezept für morgen.

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FUSSNOTEN

1 In den Genbanken werden sogenannte Digitale Sequenzinformationen(DSI) gespeichert. DSI sind Codes kurzer DNA-Abschnitte oder ganzer Genome von Pflanzen, Mikroorganismen oder Tieren. DSI-Datenbanken sind so etwas wie digitale Bibliotheken des Lebens, in denen nachgeschlagen werden kann, welche Informationen auf welchen Genab- schnitten liegen und welche Wirkungen sie eventuell haben könnten.
2 «Big Data auf dem Bauernhof kann sowohl historische als auch Echtzeit- und prognostizierte Wetterinformationen und Ernteerträge, Rohstoffmarktinformationen, gekaufte und gepflanzte Saatguteinheiten, Inputpreise, Düngerdosierung, Parzellenmessungen und -kartierung, Bodennährstoffgehalt, Bodenkohlenstoffgehalt, Pflanzenfeuchtigkeit usw. umfassen. Die Daten werden gesammelt, gespeichert und mit Hilfe von Algorithmen analysiert, um automatisierte Entscheidungen in den Betrieben zu treffen.» ETC Group (Hg.) 2022b, S. 21.
4 Mit dabei sind unter anderem das Third World Network (TWN), dasinternationale Verhandlungen seit vielen Jahren begleitet. Ein Schwerpunkt von TWN sind Patente. Weitere Organisationen: Ecoropa, ein europäisches Netzwerk für Ökologie, Demokratie und Gerechtigkeit, dessen Präsidentin Christine von Weizsäcker grosse Erfahrung und Kompetenz bei solchen Verhandlungen hat, ferner die Australian Food Sovereignty Alliance sowie Kleinbauernvereinigungen, wie La Via Campesina, und etliche mehr.
5 Pat Roy Mooney sagt: «Man muss aber sehr aufpassen: In solchen Gremien passiert es oft, dass die grossen Unternehmen den Regierungen Entscheidungen vorschlagen, die diese dann der UNO und allen Regierungen zum Absegnen präsentieren. Mit dabei sind dann auch immer ein paar grosse NGOs, um die Dinge besser aussehen zu lassen. Das halte ich für extrem gefährlich. Es geht aber auch anders, wie zum Beispiel der vom Welternährungsausschuss der Vereinten Nationen (CFS) durchgeführte Stakeholder-Ansatz zeigt, der von Anfang an alle Regierungen und die aktive Beteiligung der Zivilgesellschaft und der Agrarindustrie zusammen mit Akademikern und wissenschaftlichen Einrichtungen umfasst. Hier können wir Einfluss nehmen.»

Mirjam Cahn upg gross
Der Mensch in der Natur

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Unterdrücken der russischen Sprache heisst neu «Bildungsreform»

Helmut Scheben /  Ein Viertel der Bevölkerung Estlands spricht russisch. Aber an Schulen und Universitäten wird die russische Sprache dort untersagt.

In Estland gab es seit 30 Jahren getrennte Schulen und Kitas für Angehörige der estnischen und der russischen Sprache. Rund 13 Prozent der Schüler und Schülerinnen in Estland besuchen eine russischsprachige Schule. Ab dem Schuljahr 2024/2025 ist Schluss damit. Die russischsprachigen Schulen werden abgeschafft, so hat es das Parlament beschlossen. Es soll nur noch estnisch gesprochen werden. Die Universitäten nehmen auch keine Russinnen und Russen mehr auf. Ein Viertel der estnischen Bevölkerung gehört zur russischen Minderheit.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine verschärfen sich die Spannungen zwischen der russischsprachigen Bevölkerung und der Regierung. Der Ukraine-Krieg wirkt als Brandbeschleuniger, der einen Konflikt anfacht, der seit vielen Jahren schwelte. Dabei ging es oft um den Umgang mit der sowjetischen Vergangenheit. So kam es immer wieder zu heftigen Protesten, wenn die Regierung sowjetische Denkmäler abbaute oder an unbelebten Orten entsorgen wollte.

Der estnische Aussenminister Margus Tsahkna sagte am 24. Mai in einem Interview des Zürcher Tages-Anzeigers: «Nun stehen wir vor der grössten Bildungsreform. Bis jetzt wurde in den Schulen Estnisch und Russisch gesprochen. Ab September ist Estnisch die alleinige Unterrichtssprache.»

«Russisch ist die Sprache der ehemaligen Besatzer»

Der Tages-Anzeiger-Journalist gibt daraufhin zu bedenken, die Schweiz habe vier Sprachregionen, die friedlich zusammenleben, und fragt, ob dieser Umgang mit einem Viertel der estnischen Bevölkerung nicht «Spannungen» hervorrufen könne. Der Aussenminister sieht es anders:

«Der Integrationsprozess hat sich beschleunigt wegen der russischen Aggression gegen die Ukraine (…) Wir leben alle zusammen, wir sind ein Volk. Russisch ist die Sprache der ehemaligen Besatzer.»

Mehr als 20’000 Esten marschierten in der Waffen-SS

Lapidare Sätze, denen es aber in dreierlei Hinsicht an einer differenzierten Erfassung der Wirklichkeit mangelt. Zum einen ist, wer einem Viertel der Bürgerinnen und Bürger den Gebrauch ihrer Sprache vom Kindergarten bis zur Universität verbietet und diese Repression als «Integration» oder «Bildungsreform» bezeichnet, ein Sprach-Jongleur, der die Realität auf den Kopf stellt. Die russischsprachige Bevölkerung Estlands wird bestraft für einen Krieg in der Ukraine, den sie nicht verschuldet hat. 

Zum andern ist es zwar zutreffend, dass Russisch die Sprache ehemaliger Besatzungsmächte ist, aber in der Geschichte Estlands wechselten sich seit der Kolonialherrschaft des deutschen Ritterordens (etwa 13. bis 15. Jahrhundert) viele «Besatzungsmächte» ab, darunter Dänen, Schweden, Polen und Russen. Estland wurde unter Zar Peter dem Grossen zu Beginn des 18. Jahrhunderts russisches Herrschaftsgebiet und ist es zwei Jahrhunderte lang geblieben, bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, wiewohl viele Deutsch-Balten ihren Grossgrundbesitz in Estland auch in dieser Zeit behielten. 

Folglich war nicht nur Russisch, sondern auch Deutsch in Estland eine «Sprache der Besatzer». Doch dies lässt der Aussenminister unerwähnt, wohl wissend, dass es eine Zeit gab, in der viele Esten die Deutschen nicht als Besatzer, sondern als Befreier begrüssten.  Mehr als zwanzigtausend Esten marschierten ab 1941 in den Reihen der Waffen-SS und waren folglich nicht unbeteiligt an dem Projekt, Estland «judenfrei» zu machen. Der Umgang mit den Widersprüchen der jüngeren Vergangenheit oder vielmehr der Versuch, historische Fakten zu tabuisieren, ist sicher eine der Wurzeln des Konfliktes zwischen dem offiziellen Estland und seiner russischsprachigen Minderheit. 

«Wir sind ein Volk» ist ein Mythos

Drittens mag die Versicherung «Wir sind ein Volk» zwar stark tönen, ist aber fragwürdig in der Bedeutung, die der estnische Aussenminister ihr gibt. In Wirklichkeit hat es in den letzten zwei oder drei Jahrhunderten wohl nie so etwas gegeben wie «ein Volk» und «eine Nation», wenn man darunter eine kulturell homogene Gemeinschaft versteht, die von einer einzigen Ethnie abstammt und eine einzige Sprache spricht. 

Die kollektive Identität, die da vorausgesetzt wird, ist Ergebnis einer Mythenbildung, auf welche die im 19. Jahrhundert entstehenden Nationalstaaten rekurrierten, um ihren Zusammenhalt zu festigen und den Machtanspruch über ihre Territorien zu begründen. Territorien, deren Grenzen oft als Folge von Kriegen und politischen Deals entstanden waren und die verschiedensten ethnischen Gruppen willkürlich trennten oder zu einer «Nation» zusammenfügten. Wenn die Macht nicht mehr «von Gottes Gnade», sondern «vom Willen des Volkes» ausgehen sollte, musste man schon genauer abgrenzen, wer alles zum Volk dazugehörte und wer nicht. Der Nationalstaat und seine territoriale und demographische Erfassung entstanden somit aus einer administrativen Notwendigkeit. 

Die Konstruktion einer gemeinsamen Herkunft und Nationalsprache sollte der Nation Legitimität verleihen, war aber in den meisten Fällen eine problematische Fiktion. Denn in ihren extremen Auswüchsen landete diese Ideologie am Ende in der Wahnvorstellung, es gebe «Blutsbande», die «das Volk» von anderen «Rassen» abgrenzten, welche aus dem «Volkskörper» zu entfernen seien. 

Universität Tartu
Auch an der estnischen Universität Tartu darf ab nächstem Schuljahr kein Russisch mehr gesprochen werden.

Wer unbeholfen spricht, wird weniger anerkannt

Der Journalist Stefano di Lorenzo, der in Mailand aufwuchs, dann Deutsch und andere Sprachen lernte, beschreibt eindrücklich seine eigene Erfahrung mit der Bedeutung der Sprache im sozialen Leben: «Wenn man Fehler beim Sprechen macht, wird man nicht wirklich ernst genommen (…) Leider ist es so, dass die Art und Weise, wie wir sprechen, zu den ersten Dingen gehört, die eine Person von uns wahrnimmt. Aus diesem Grund steigt das Risiko, als «dumm» eingestuft zu werden, wenn wir uns nicht wirklich ganz korrekt ausdrücken. Für Muttersprachler wirken Nicht-Muttersprachler oft wie Menschen mit intellektuellen Schwierigkeiten.»

Man darf annehmen, dass die Sprache, die ein Mensch seit seiner Kindheit gelernt hat, der wichtigste Faktor für seine Identität, kulturelle Geborgenheit und soziale Anerkennung ist. Deshalb begeht ein Staat, der seinen grossen ethnischen Minderheiten verbietet, sich im sozialen und politischen Leben ihrer Muttersprache zu bedienen, einen Akt der schwersten Unterdrückung. Er beraubt sie weitgehend der Möglichkeit einer effizienten demokratischen Partizipation, denn wer sich nicht korrekt ausdrücken kann, wird, wie di Lorenzo schreibt, nicht ernst genommen. Die Schweiz ist ein Beispiel dafür, dass nicht das Verbot der Minderheitensprachen, sondern eine gelebte Vielfalt der Landessprachen der richtige Weg ist. Es bereichert die Demokratie, wenn die verschiedenen ethnisch-kulturellen Gruppen ihre Weltsicht in den Prozess der politischen Willensbildung einbringen.

Unterdrückung von Sprache hat schon Länder zerrissen

Der Regierung in Tallin scheint entgangen zu sein, welchen Sprengstoff ihre «Bildungsreform» enthält. Die Unterdrückung der Sprache einer starken ethnischen Minderheit hat im Lauf der Geschichte zahlreiche Länder innerlich zerrissen und zu Bürgerkriegen und Abspaltungen geführt.

1947 spaltete sich Pakistan von Indien ab, weil die muslimische Minderheit die Hindi-Sprache und Hindu-Kultur nicht akzeptierte. Und in Pakistan selbst endete der Versuch, Urdu als einzige Nationalsprache durchzusetzen, 1971 mit der Abspaltung von Bangladesh. Man frage Basken und Katalanen, wie sie die Zeit der Franco-Diktatur (1939 – 1975) erlebten, als ihre Sprachen im gesamten öffentlichen Bereich verboten waren. Die Demütigungen jener Zeit verursachen politische Folgeschäden bis heute. 

Das Beispiel der Ukraine

In der Ukraine beschloss das Parlament in Kiew einen Tag nach dem Maidan-Umsturz, das Gesetz über Regionalsprachen ausser Kraft zu setzen. Dieses Gesetz räumte dem Russischen in den Gebieten, in denen mehr als zehn Prozent der Einwohner Russisch als Muttersprache angaben, den Status einer zweiten Amtssprache ein. Der Rada-Beschluss wurde zwar zunächst vom Verfassungsgericht gestoppt, aber er war für den russischsprachigen Osten des Landes das Alarmsignal, das zeigte, wohin die Reise ging. Die Unterdrückung der russischen Sprache war einer der Faktoren, die zur Sezession der Krim und dem Aufstand im Donbass führten.   

Die Regierung in Kiew hat am Ende Nägel mit Köpfen gemacht. Im Mai 2019 wurde das Gesetz «über die Gewährleistung der Funktion der ukrainischen Sprache als Staatssprache» verabschiedet. Mit dem Gesetz werden die Bürger gezwungen, in allen Bereichen des öffentlichen Lebens nur noch die ukrainische Sprache zu verwenden, also auf allen Ämtern der öffentlichen Verwaltung, im Gesundheitswesen, im Bildungswesen, in den Medien, in Freizeit- und Unterhaltungsveranstaltungen, im Internet und so weiter.

Sprache als Waffe

Stefano di Lorenzo schliesst seinen oben zitierten Artikel mit der Bemerkung, er habe in der Ukraine der Selensky-Regierung oft gehört, dass die Sprache eine Waffe sei. Das Ukrainische also eine Waffe gegen eine vermeintliche Jahrhunderte lange russische «Okkupation». Di Lorenzo fügt hinzu, selbstverständlich könne Sprache eine Waffe sein, aber auch eine Waffe, um einen Teil von sich selbst zu amputieren oder Suizid zu begehen.


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Im «Zeus» abgeblitzt: «Die lassen mich nicht ins Puff»

Rumänen sind im «Zeus» offenbar nicht erwünscht. (Bild: Adobe Stock)

Drei Dachdecker wollen ins Küssnachter Bordell «Zeus». Doch einem von ihnen wird seine Nationalität zum Verhängnis. Er ist Rumäne – und im Nacktbereich des Bordells nicht erwünscht.

Wegen des schlechten Wetters beschliesst der Chef eines Dachdecker-Unternehmens kurzerhand, seine zwei Mitarbeiter ins Bordell einzuladen. Auf dem Dach ists im strömenden Regen zum Arbeiten zu rutschig. Stattdessen soll im «Zeus» in Küssnacht am Rigi der Schaumwein fliessen, das Trio im Nacktbereich Spass haben.

«Doch die haben uns den Tag gründlich verdorben», wettert der Chef im «Blick». «Sie wollten Marius nicht reinlassen, nur weil er Rumäne ist», sagt er. Für den Unternehmer ist klar: «Das ist Diskriminierung. Wir sind wütend.»

Albaner ja, Rumänen nein

Marius, so der anonymisierte Name des Rumänen, spricht zwar fliessend Schweizerdeutsch. Doch im «Zeus» blitzt er als einziger ab. Seine beiden Kollegen, beide mit albanischen Pässen ausgestattet, hatten hingegen keine Probleme damit, in den Nacktbereich zu gelangen. Für Marius gibts dafür nur eine Erklärung: seine Nationalität.

Der Chef habe ihn damit beauftragt, beim Bordell anzurufen und sich nach dem «Programm» zu erkundigen. «Ich hörte am Akzent, dass die Frau vermutlich Rumänin ist und wechselte auf ihre Sprache. Darum wusste sie, dass ich aus Rumänien stamme», sagt Marius.

Sofort Anzeige gegen Bordellbesitzer erstattet

«Die lassen mich nicht ins Puff, nur weil ich Rumäne bin», zitiert ihn der «Blick». Zu dritt gehen die Dachdecker direkt zur Polizei, erstatten Anzeige. Inzwischen läuft offenbar eine Untersuchung, wie den Aussagen des Bordellbesitzers zu entnehmen ist.

Der Kunde habe sich schlecht benommen, begründet er, wieso Marius nicht rein durfte. Zuvor seien bereits drei Rumänen da gewesen, die sich ebenfalls nicht an die Regeln des Bordells gehalten hätten.

Angst vor Clans

Marius hingegen glaubt, den wahren Grund für die Zutrittsverweigerung zu kennen. «Er hat Angst, dass ich von einem Clan bin und eine Frau rausholen will», vermutet er, «oder dass ich der Ehemann einer der Prostituierten bin.»

Für den angezeigten Bordellbesitzer könnte der Fall Folgen haben. So steht in der Strafnorm gegen Rassendiskriminierung: «Wer eine von ihm angebotene Leistung, die für die Allgemeinheit bestimmt ist, einer Person oder einer Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion verweigert, wird (…) bestraft.»

Dennoch gilt für den Angezeigten die Unschuldsvermutung.

Verwendete Quellen

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Wie wir handeln?

Wie wir handeln?

Bundesgesetz über Radio und Fernsehen (RTVG)
vom 24. März 2006 (Stand am 1. Januar 2022)Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, gestützt auf die Artikel 71, 92 und 93 der Bundesverfassung (BV)1,
nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 18. Dezember 20022, beschliesst:

Art. 3
Wer ein schweizerisches Programm veranstalten will, muss:
a. dies vorgängig dem Bundesamt für Kommunikation (BAKOM) melden;
oder
b. über eine Konzession nach diesem Gesetz verfügen.

Art. 3a
Radio und Fernsehen sind vom Staat unabhängig.


2. Abschnitt: Inhaltliche Grundsätze

Art. 4 Mindestanforderungen an den Programminhalt
1. Alle Sendungen eines Radio- oder Fernsehprogramms müssen die Grundrechte beachten. Die Sendungen haben insbesondere die Menschenwürde zu achten, dürfen weder diskriminierend sein noch zu Rassenhass beitragen noch die öffentliche Sittlichkeit gefährden noch Gewalt verherrlichen oder verharmlosen.

2. Redaktionelle Sendungen mit Informationsgehalt müssen Tatsachen und Ereignisse sachgerecht darstellen, so dass sich das Publikum eine eigene Meinung bilden kann. Ansichten und Kommentare müssen als solche erkennbar sein.